Homeoffice-Boom in der öffentlichen Verwaltung birgt Gefahren

28. Oktober 2021, 14:08
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In der Pandemie haben 90% der Schweizer Verwaltungen rasch Videokonferenz-Tools eingeführt. Die Schweizerische Informatikkonferenz weist auf Probleme hin.

Seit Pandemiebeginn wurde das Homeoffice in der öffentlichen Verwaltung massiv ausgebaut. Dies zeigt eine Umfrage der Schweizerischen Informatikkonferenz (SIK) auf verschiedenen Ebenen der Verwaltung: 83% der Befragten gaben an, dass Remotework bei ihnen erweitert wurde, bei 17% wurde der Ansatz gar neu eingeführt. Fast die Hälfte will nach Corona den Umfang noch erweitern, weitere 10% wollen ihn beibehalten. Bei 38% soll die Arbeit von zu Hause nach der Pandemie wieder reduziert werden.
Durchgeführt wurde die Befragung von der Fachstelle der SIK: "Homeoffice wird bleiben, viele wollen die Vorteile nicht mehr missen", sagt Greg Hernan von der öffentlich-rechtlichen Organisation. Der Trend sei sehr ähnlich wie in der Privatwirtschaft, obwohl die Behörden in der Regel eine deutlich stärkere Kontrolle pflegen würden.
Den individuellen Schutz von Computern und mobilen Geräten haben etwas weniger als die Hälfte der Verwaltungen verbessert. 46% haben die Netzwerkinfrastruktur sicherer gemacht, 29% die Serversysteme und noch 20% die Fachanwendungen. Angesichts der grossen Umstellungen und der hohen Kadenz an Cyberangriffen ist das nachlässig.

Videokonferenz-Tools sind nicht für Schweizer Behörden gemacht

Besonders häufig wurden Videokonferenz-Lösungen eingeführt: In über 90% der Verwaltungen soll dies laut Umfrage der Fall sein, nochmals 39% setzen zudem auf Kollaborationssoftware. "Ich war überrascht, wie schnell die Verwaltungen Videokonferenz-Tools implementiert haben", sagt Hernan. Schliesslich sind dies fast immer Cloudlösungen, die Fragen in Sachen Datenschutz aufwerfen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Hernan hatte schon vor etwas über einem Jahr für inside-it.ch in einem Gastbeitrag geschrieben: Bei Videokonferenz-Tools "sind den Anforderungen der kantonalen Datenschützer Rechnung zu tragen. Die öffentliche Verwaltung benötigt aus diesem Grund Lösungen, die auf 'Swissness' setzen".
Dies hat man bei der SIK mittlerweile etwas revidiert: "Die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen lässt sich in der Schweiz besser überwachen, aber die SIK arbeitet mit den internationalen Anbietern an entsprechenden Massnahmen und Regelungen, dass auch deren Tools rechtskonform eingesetzt werden können", so die Organisation. Aufhalten lasse sich der Boom nicht und so werde viel Energie in die Einbettung in einen guten sicherheitstechnischen Rahmen gesteckt.
Bei der SIK hat sich das Thema nun zuoberst auf die Traktandenliste gedrängt: An der Konferenz One Voice am 25. November soll darauf fokussiert werden. SIK-Mitglieder werden hier konkrete Lösungen aufzeigen und das Bewusstsein nochmals erhöhen. Weisungsbefugnisse hat die SIK keine und sie will auch keine "Polizeifunktion" ausüben, wie sie zu inside-it.ch sagt. Die öffentlich-rechtliche Körperschaft von Bund, Kantonen sowie diversen Städten und Gemeinden erreiche die Standards in der Zusammenarbeit ihrer Mitglieder in den entsprechenden Arbeitsgruppen.
Die Umfrage beantworteten Zuständige aus 10 Gemeinden, 26 Kantonen, 3 Departementen des Bundes und 3 weiteren Organisationen. Diese hätten den Überblick über das Homeoffice und den Einsatz der nötigen Tools in ihren Verwaltungseinheiten, so Hernan.

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