Homeoffice: Was tut die Schweizer IT-Branche nun?

4. August 2020, 09:44
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Wir haben 5 renommierte IT-Firmen gefragt, wen sie wann und wie ins Büro zurückholen. Die Konzepte sind unterschiedlich.

Ständig erscheinen neue Studien, die zumeist die Vorteile von Homeoffice unterstreichen. Und in Deutschland wurde soeben auf Regierungsebene erneut die Frage aufgeworfen, ob nicht der wegen Corona "ungewollte Grossversuch mit Homeoffice" reguliert werden müsse oder nicht, wie 'heise' berichtet.
Hierzulande deutet eine Umfrage in der Schweiz zum Corona-bedingte Arbeiten daheim an, dass Arbeitnehmende wie Arbeitgeber sie grossmehrheitlich als vorteilhaft beschrieben haben. Auch Informatiker unter unseren Lesern sind dieser Meinung.
Doch wie sieht es in der Schweizer ICT-Branche wirklich aus? Wir haben die Verantwortlichen von bbv, Adnovum, ti&m, T&N und Leuchter IT Solutions um ihre Pläne und Umsetzung gefragt.
Erste Unterschiede zeigen sich bereits in den Antworten auf die Frage "Wann holen Sie alle Ihre Informatik-Angestellte zurück ins Büro?" "Dies ist bereits erfolgt. Die Mitarbeitenden kehrten ab Ende Mai schrittweise ins Büro zurück", antwortet T&N, während es bei Leuchter heisst: "Gar nicht mehr. Grundsätzlich können diese je nach Charge frei entscheiden, von wo aus sie arbeiten".

Schichtbetrieb und weitere Begrenzungen

Freiwilligkeit beziehungsweise Selbstverantwortung ist auch bei anderen ein Thema, die das Arbeiten im Büro und daheim zulassen. Bei Adnovum arbeiten Mitarbeitende in der Schweiz seit Anfang Juli im 2-Schicht-Betrieb, "das heisst eine Woche zu Hause und eine Woche mit freiwilliger Präsenz im Büro". ti&m begrenzt die Anzahl der Anwesenden im Office auf maximal 40% und überlasse "den Office-Entscheid den Mitarbeitern, sofern diese Zahl nicht überschritten wird".
Der bbv-CEO erklärt, seit Juni seien die Schutzkonzepte für die Büros umgesetzt, "wir halten aber die Mitarbeitenden an, weiterhin im Homeoffice zu arbeiten, wenn immer möglich". Dies werde bis auf Weiteres auch so bleiben.
Bei Adnovum spielen individuelle Lebenssituationen auch eine Rolle. Der 2-Schichtbetrieb ermögliche die Rückkehr ins Büro gemäss den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit, "wir setzen jedoch auf Eigenverantwortung und lassen die Mitarbeitenden selber entscheiden, ob sie in ihren Work-in-Office-Wochen im Büro arbeiten möchten oder nicht".
Auf eine etappierte Rückkehr setzte T&N: "Wichtig war und ist es uns, dass die Distanzregeln weiterhin eingehalten werden – ob am Büroarbeitsplatz, im Pausenraum oder im Sitzungszimmer", so die Firma mit 11 Standorten in der Schweiz und Österreich. ti&m will ebenfalls auf Etappierung setzen, "falls es soweit kommt".

Coronatests, neue Technologien und Büro-Umbau nötig?

Keine der befragten Firmen verlangt oder macht firmenintern Coronatests, zumindest bis jetzt. T&N präzisiert: "Bei Covid-19 Symptomen sind unsere Mitarbeitenden angehalten, zuhause zu bleiben und mit dem Arzt telefonisch Rücksprache zu nehmen, ob ein Coronatest gemacht werden soll."
Nicht auf Eigenverantwortung basieren hingegen die Büroarbeitsplätze. Wie setzen Arbeitgeber die BAG-Empfehlungen um? Können Sie dies? Wird Desk-Sharing verboten und müssen Trennwände eingebaut werden? Gemeinsam ist den Antwortenden, dass neben Distanz- und Abstandsvorgaben häufigere Reinigungen – Türklinken inklusive – ein Thema sind, ebenso Begrenzung von Teilnehmerzahlen in Meetings. Adnovum musste gar sein internes Restaurant auf Take-Away-Betrieb umstellen, während ti&m-Mitarbeitende basierend auf einem "Dosiersystem" zu Mittag essen.
Bei bbv wurde jedes Büro neu organisiert, um die Abstands- und Hygiene-Regeln einzuhalten. "Zudem muss die Anwesenheit in einem Büro in einer App erfasst werden. Dies erlaubt uns ein bbv-internes Tracking, wie auch sicherzustellen, dass die maximale Zahl an Mitarbeitenden pro Büro eingehalten wird."

Wie weiter mit Innovationen, Kundenkontakt und Firmenkultur?

Niemand weiss, wie sich die Pandemie in der Schweiz und die hiesige Pandemie-Politik entwickelt. Trotzdem sind Arbeitgeber wie -nehmer gezwungen, zu planen, ebenso ihre Kunden. Darum fragten wir die Verantwortlichen: Wird es in absehbarer Zeit IT-Rollen geben, die mehrheitlich im Homeoffice arbeiten werden und welche sind dies?
Alle fünf IT-Arbeitgeber werden Homeoffice beibehalten, das geht aus den Antworten klar hervor, und sie sehen sich dafür auch ausgerüstet. Insbesondere Software-Entwickler scheinen dafür prädestiniert zu sein, von denen dies viele auch wünschen, beispielsweise bei Adnovum. Bei T&N werden zudem Mitarbeitende am Helpdesk vermehrt von zuhause aus arbeiten.
Aber: Der persönliche Kontakt bleibt wichtig, halten die Firmen fest, speziell im Verkauf und bei Projektleiter und intern: "Der persönliche Austausch über agile Touch Points bleibt wichtig für Innovationsthemen und den Austausch untereinander", sagt der ti&m-Vertreter.
Dass jemand vollständig im Homeoffice bleiben wird, prognostiziert entsprechend keine der Firmen, auch wenn, so der Sprecher von Leuchter, "praktisch alle Rollen in der IT auch von zu Hause aus gut wahrgenommen werden können".
Aber nicht nur die Organisation einer IT-Firma und die Rolle eines Mitarbeitenden werden künftig über den Arbeitsort entscheiden, sondern auch die Kunden. bbv hat neu einen "Homeoffice Guide" formuliert. In diesem bekennt sich die Firma zum Homeoffice, "beziehungsweise vertreten wir dies wenn immer möglich (im Kontext der Kundenaufträge als Berater und Software-Dienstleister) auch gegenüber den Kunden. Wir hoffen (ich kann es nicht prognostizieren), dass Covid-19 einen nachhaltigen Gesinnungswandel herbeigeführt hat in Bezug auf die bisher oft gewünschte 'Vor-Ort-Präsenz' und klassische 'Bürozeiten' (bei Kunden)", erläutert Bbv.
Leuchter sagt: "Wir sind sicher, dass gewisse physische Meetings wichtiger werden wie beispielsweise Kick-Offs und Sprint Meetings. Und zuletzt müssen wir auch die Kultur des Unternehmens gut verankern können, sei dies mit Anlässen oder Daily Stand-Ups und anderem mehr.
Fazit: Das Homeoffice wird wohl zu einem normalen und akzeptierten Arbeitsmodell bei vielen IT-Firmen werden. Doch in welchem Ausmass, ist unklar. Es hängt auch, aber nicht nur vom Verlauf der Pandemie ab. Je nach Kunden- und Mitarbeitendenwünschen und Betriebskultur stellen sich Firmenlenkern mittelfristig ganz neue Fragen.

Was Schweizer IT-Anwender planen

Wir haben auch unterschiedlichen IT-Anwendern dieselben Fragen gestellt: Was Dormakaba, Baloise, Raiffeisen Schweiz, Fenaco, Luzerner Kantonalbank (LUKB) und Emmi vorhaben, ist bei inside-it.ch publiziert.

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