"Hoovern"? "Haiern"!

27. Juni 2005 um 09:48
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Chinesische Konsumgüter- und Elektronik-Riesen kaufen sich Markennamen und Verkaufskanäle im Westen

Chinesische Konsumgüter- und Elektronik-Riesen kaufen sich Markennamen und Verkaufskanäle im Westen
Für nicht wenig Geld hat vor wenigen Monaten der chinesische Hersteller Lenovo das PC-Geschäft samt den Markennamen (für eine beschränkte Zeit) von IBM gekauft. Doch der Lenovo-IBM-Deal ist nur der spektakulärste in einer ganzen Reihe von Übernahmen. So kaufte sich der Shanghaier Elektronik-Hersteller SVA (TV-Geräte, Projektoren, Bildschirme, Telefongeräte, Notebooks) bei der österreichischen Gericom ein. Gericom wurde damit zur reinen Vertriebsgesellschaft von SVA. Und bei Handys, auf denen "Siemens" steht, wird in Zukunft "BenQ" drin sein.
Letzte Woche bot der riesige chinesische Hersteller Haier zusammen mit zwei US Risikokapital-Fonds 1,28 Milliarden Dollar in bar für Maytag, einen bekannten US Hersteller von Weisswaren (Waschmaschinen, Staubsauger, ...). In den USA kennt man Maytag vor allem als grosse Service-Organisation für Haushaltgeräte und unter der Marke "Hoover". In der Schweiz verwendeten unsere Mütter noch in den 60-Jahren das Wort "hoovern" als Synomym für "staubsaugen". Werden wir dereinst "haiern" statt "hoovern" sagen?
Die grossen europäischen und nordamerikanischen Brands wandeln sich immer mehr zu reinen Vertriebs- und Marketingorganisationen, sei es in westlichem, sei es in chinesischem, meistens aber in gemischtem Besitz. So gab unlängst Philips - von den hiesigen Medien wenig beachtet - den Verkauf seiner drei Monitor-Fabriken an die chinesische TPV bekannt. Philips beteiligt sich an TPV und wandelt sich im Bildschirmgeschäft vom Hersteller zum Vertriebs- und Marketing-Agenten von TPV in Europa und den USA.
Wer kauft da wen?
Mindestens kapitalmässig kann man nicht von einem "Ausverkauf" der westlichen Konsumgüter-Marken sprechen. So beteiligen sich IBM und unter anderen der Marken-Spezialist Texas Pacific (Bally) an Lenovo, Philips an TPV und auch beim Haier-Maytag-Deal sind grosse US Kapitalfonds mit an Bord.
Das Interesse bei den grossen chinesisch-westlichen Deals ist gegenseitig. Die nordamerikanisch / europäischen Konsumgüter-Hersteller sichern sich Fabrikationskapazitäten, Gewinnanteile und Vertriebswege in China während die chinesischen Riesen umgekehrt zu dominierende Markennamen, Kapital und Vertriebswegen im Westen kommen. (Christoph Hugenschmidt)

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