Hotmail: Vorwärts ins Web 2.0 (und wieder zurück)

7. Mai 2007, 13:49
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    Microsoft musste erkennen, dass viele User gar kein schickes "Outlook"-Webmail wollen, und bietet darum gleich zwei neue Versionen an.

    Microsoft musste erkennen, dass viele User gar kein schickes "Outlook"-Webmail wollen, und bietet darum gleich zwei neue Versionen an.
    Microsoft hat seinen Webmail-Service gründlich überarbeitet. Das neue "Windows Live Hotmail", das bisher als Betaversion zur Verfügung stand, soll im Laufe dieser Woche weltweit zur offiziellen Version werden. Wer will, kann den Webservice nun über eine Oberfläche benutzen, die stark an den normalen "Outlook"-Client erinnert und auch ähnliche Funktionen wie ein Mail-Client bietet: Neue Ordner können zum Beispiel per Rechtsklick und Kontextmenu eingerichtet und Nachrichten per Drag & Drop in Ordner verschoben werden. Mit der Maus kann man einzelne oder mehrere Nachrichten gleichzeitig auswählen und auf Wunsch kann man den Inhalt von Nachrichten in Preview-Fenstern anzeigen lassen. Im Hintergrund arbeitet dafür die heute von vielen modernen "Web 2.0"-Services verwendete AJAX-Technologie.
    Wer sich nun aber mit diesen Infos im Kopf beim neuen "Windows Live Hotmail" einloggt, mag ein bisschen erstaunt sein: Das Design wurde zwar leicht geändert, aber im Prinzip funktioniert alles wie bisher: Man findet die altbekannten Kästchen zum Anklicken, Ordner werden über eine neue Seite verwaltet usw. Des Rätsels Lösung: Man landet zuerst einmal in der "klassischen Version". Diese empfiehlt Microsoft allen Usern mit weniger schnellen Internetverbindungen, als insbesondere Dial-Up-Usern. Zur "kostenlosen Vollversion" muss man über die Optionen wechseln.
    Es wär so schön gewesen
    Interessant ist die von 'News.com' erzählte Geschichte, die hinter der Entscheidung Microsofts steht, die abgespeckte "klassische" Version als Default anzubieten. Ursprünglich plante man bei Microsoft nämlich, das altbackene Image von Hotmail mit einer radikal modernen neuen Version zu bekämpfen. Im Laufe der monatelangen Betatests mussten die Entwickler gemäss 'News.com' aufgrund der Userfeedbacks aber feststellen, dass die schicke neue Version, in die sie so viel Arbeit gesteckt hatten, bei vielen nicht ankam.
    Das "ankam" ist dabei in einem doppelten Sinne zu verstehen: Manche konnten die neuen Features nicht benutzen, weil ihr etwas älterer Browser streikte oder die Internet-Verbindung zu langsam war, andere mochten die neuen Features nicht, weil sie sich ans klassische Webmail gewöhnt hatten.
    Zum Glück hatte man von Anfang an ein kleines Entwicklerteam daran gesetzt, eine abgespeckte Version für Dial-Up-User zu entwickeln. Microsoft reagierte auf die Userfeedbacks, indem immer mehr Ressourcen und Entwickler dem Team für die "klassische" Version zugeteilt wurden. Und zu guter Letzt kam man zur Überzeugung, dass die Anwender, welche lieber die klassische als die moderne Version benutzen wollen, sogar in der Mehrheit sind. Daher so 'News.com', die schweren Herzens getroffene Entscheidung, die klassische Version als Default-Version anzubieten, und die neue nur als Option.
    Dies dürfte Microsoft nicht leicht gefallen sein: Erstens enttäuschte man damit einen grossen Teil der eigenen Programmierer, und andererseits ist die radikale Abkehr von Hotmail und seinem Image als das "Webmail für technologisch minderbemittelte" nicht ganz gelungen. Das drückt sich sogar im Namen aus: Statt, wie ursprünglich geplant, den Mailservice in "Windows Live Mail" umzubenennen "schleppt" man nun das alte Hotmail auch im neuen Namen mit. (Hans Jörg Maron)

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