HP. Acer, Dell und Co.: Wer die Notebooks wirklich herstellt

29. Oktober 2010, 07:39
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2010 wird Taiwans Notebook-Industrie voraussichtlich 177,265 Millionen mobile Rechner an Grosskunden wie HP, Acer, Dell und Co.

2010 wird Taiwans Notebook-Industrie voraussichtlich 177,265 Millionen mobile Rechner an Grosskunden wie HP, Acer, Dell und Co. ausliefern. Im Jahresmittel entspricht das einem Weltmarktanteil von 89,6 Prozent. Nach der auf die Finanzkrise folgenden Aufholjagd im ersten Halbjahr ist die Nachfrage seit Juli 2010 insgesamt enttäuschend, was einige Marktbeobachter nicht nur auf teils hohe Lagerbestände, sondern auch darauf zurückführen, dass Apples iPad und andere Tablet-PCs teils schon empfindlich am Markt für Notebooks und Netbooks nagen.
2011 werden den Prognosen zufolge global mehr als 200 Millionen Notebooks und Netbooks verschifft, 90 Prozent davon Made in oder besser Made by Taiwan, wie es richtig lauten sollte, denn ein Grossteil der Produktion (90 Prozent und mehr) ist schon nach China verlagert worden.
Hewlett-Packard will sich 2011 mit 50 Millionen Stück rund ein Viertel vom Weltmarkt sichern, Acer will 46 Millionen Stück abnehmen. Die beiden grössten Auftragsfertiger Quanta und Compal werden mit 60 Millionen respektive 56 Millionen mobilen Geräte aber wohl deutlich höhere Stückzahlen drehen als die beiden Top-Marken.
Früher war die Liste der fünf grössten Notebook-Produzenten wie in Stein gemeisselt: Auf Quanta und Compal folgten Acer-Ableger Wistron, Inventec und Asustek beziehungsweise Asus-Tochter Pegatron. Doch schon 2009 haben sich erste Verschiebungen ergeben. Plötzlich war in manchen Quartalen die ewige Nummer 2 Compal ganz vorn, abgesehen davon wollten Taiwans Apple-Partner Foxconn und Microsoft-Xbox-Bauer Flextronics aus Singapur sich nicht mehr nur mit ihrer Rolle als Elektronikauftragsfertiger zufrieden geben. Beide drängen seit Mitte 2009 ebenfalls ins OEM/ODM-Business (Original Equipment/Design Manufacturing) und mischen die trauten Top 5 auf.
Welcher Notebook-Produzent bei welchem Auftraggeber zum Zuge kommt, das steht oft schon monatelang vorher fest. Anhand erster Orderzahlen zeigt sich, dass das Führungstrio Quanta, Compal und Wistron mit zusammen voraussichtlich 152 Millionen verkauften mobilen Rechnern 2011 unverrückbar sein wird. Aber mit 19 Millionen Stück könnte sich Foxconn schon auf Platz 4 setzen. Bisher gebührte diese Position wie gesagt Inventec, doch der Hersteller, der mit elektronischen Wörterbüchern gross geworden ist, zeigt in jüngster Zeit deutliche Schwächen. Dennoch kann er 2011 aufgrund der Auftragsbücher mit 18 Millionen Notebooks und Netbooks rechnen. Pegatron folgt dicht dahinter mit 17 Millionen Stück, wovon allein die Mutter Asustek (Asus) 10 Millionen Stück abnehmen dürfte. Samsung Electronics produziert zwar nur für die Eigenmarke Samsung, wird aber voraussichtlich mit 12 Millionen Stück auf Platz 7 landen. Flextronics hat ursprünglich für 2011 mit ähnlich hohen Stückzahlen gerechnet, muss sich aber wohl mit der Hälfte begnügen. Toshiba und Sony lagern immer grössere Teile ihrer Produktion nach Taiwan beziehungsweise China aus, weshalb sie wie HP, Acer, Dell und Co. bei Notebooks und Netbooks fast nur noch als Markenunternehmen in Erscheinung treten.
Quanta ist nicht nur grösster Auftragsfertiger von Hewlett-Packard, sondern auch von Apple, während das iPad wie das iPhone und der iPod von Foxconn produziert werden. Der wichtigste Notebook-Kunde von Compal heisst Acer mit Pre-Orders von 25 Millionen Stück. Die einstige Produktionstochter Wistron bekommt nur etwas mehr als die Hälfte der Auftragszahlen ab. Foxconn schieb sich derweil mit 10 Millionen Stück auf Platz zwei der HP-Auftragsfertiger. Inventec gerät mit 9 Millionen Stück immer mehr in Abhängigkeit von dem Weltmarktführer. Bedenkt man, wie schnell eine Rückrufaktion droht, kann das ganz schön gefährlich sein. (Klaus Hauptfleisch)

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