HP ist der König aller Kunden in Taiwan - noch!

23. August 2011, 10:18
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Der von Léo Apotheker verordnete drastische Kurswechsel bei Hewlett-Packard (HP) und der mögliche Verkauf der PC-Sparte – vor allem, wenn der Käufer Sansung hiesse – wird in Taiwan mit Sorge registriert.

Der von Léo Apotheker verordnete drastische Kurswechsel bei Hewlett-Packard (HP) und der mögliche Verkauf der PC-Sparte – vor allem, wenn der Käufer Samsung hiesse – wird in Taiwan mit Sorge registriert.
Die mögliche Verkauf der PC-Sparte von HP wird in Taiwan heiss diskutiert. Schliesslich ist das Unternehmen mit einem Auftragsvolumen von über 25 Milliarden Dollar der "Einkaufskönig" der Insel, wie die chinesischsprachige 'Economic Daily News‘ (EDN, chinesich: Jingji Ribao) es nennt. Noch hält sich die Nervosität der OEM-/ODM-Industrie Taiwans in Grenzen, denn sie wird auch weiter davon profitieren, dass die Markenanbieter ihre Produktion immer mehr auslagern. Der Trend hat sich in jüngster Zeit sogar verstärkt, weil die japanischen Hersteller unter der starken Aufwertung ihrer Landeswährung Yen leiden und deswegen mehr und mehr outsourcen.
Sorge bereitet den Auftragsfertigern der Insel aber schon, dass als möglicher Käufer der PC-Sparte von HP Samsung im Gespräch ist. Der koreanische Riese muss zwar selbst hier und da outsourcen, ist aber stolz auf sein starkes Insourcing, weil er fast alle Komponenten eines PCs oder Notebooks selbst herstellen kann.
EDN hat sich die Mühe gemacht, Taiwans Top-Kunden und ihre wichtigsten Auftragsfertiger der ITK-Branche aufzulisten. Die grössten HP-Auftragsfertiger der Insel sind der Reihe nach die drei Notebook-Riesen Quanta, Compal und Wistron sowie die Panel-Hersteller Chimei Innolux (CMI) und AU Optronics (AUO) sowie der Tainan-Industriepark im Süden der Insel. Für Apple sind es allen voran Hon Hai Precision Industry und die Tochter Foxconn, Dells Top 5 sind in gleicher Reihenfolge dieselben wie die von HP, Sony setzt zum Grossteil auf Hon Hai (Foxconn), Delta und Foxlink, der chinesische PC-Riese Lenovo dagegen auf Silitech, Jtouch, Youngfast und TSMC.
Sollte sich HP von seiner PC-Sparte trennen, würde das laut Industriekreisen aus Taiwan weitreichende Folgen nicht nur für die PC-Auftragsfertiger, sondern auch für die Lieferanten von Komponenten wie DRAMs und LCD-Panels haben und einen verstärkten Wettbewerb und Preisdruck auslösen.
Seit 2007 hat HP dem Vernehmen nach jeweils Waren im Wert von über 20 Milliarden US-Dollar bei den OEM-Partnern in Taiwan geordert, 2010 waren es mehr als 25 Milliarden Dollar. Das ist fast ein Drittel der gesamten Elektronikexporte der Insel in Höhe von 2,47 Billionen NT Dollar oder 85,3 Milliarden US-Dollar und weit mehr als die 15 Milliarden US-Dollar, die Dell als zweitgrösster Kunde auf der Insel gelassen hat.
Fast 100 Prozent der 46 Millionen verkauften HP-Notebooks im Vorjahr wurden von Taiwans OEM-Riesen wie Quanta, Compal und Acer-Ableger Wistron gefertigt, wobei die Fertigungsstätten längst nicht mehr auf der Insel selbst sind, sondern nahezu gänzlich nach China verlagert wurden. Würde das Geschäft für die Insulaner wegfallen, hätte das immense Folgen nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für Taiwan als Ganzes.
Die Auftragsbücher für 2012 sind zwar schon geschrieben, doch angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in Europa und den USA, sind vor allem die Hersteller der Double-D-Industrie (DRAM und Displays) der Insel in Sorge, dass sich ihre Lage selbst bei minimalen Änderungen auf Seiten HPs weiter verschlechtern könnte. Sollte HPs Personal Systems Group (PSG) tatsächlich an Samsung gehen, befürchtet man auf Taiwan auch, dass der Insel damit Technologie-Knowhow abhanden kommt beziehungsweise vom koreanischen Riesen eingeheimst wird. (Klaus Hauptfleisch)

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