HP killt Palm

12. Juli 2011, 08:00
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Hewlett-Packard reorganisiert die Mobilsparte, Ex-Palm-CEO Jon Rubinstein wird befördert.

Hewlett-Packard reorganisiert die Mobilsparte, Ex-Palm-CEO Jon Rubinstein wird befördert.
Kaum hat HP den ersten Tablet-PC vom Stapel gelassen.
Auch Drucker auf webOS
In seiner neuen Rolle soll der heute 55-Jährige, der für Apple unter anderem den iPod entwickelt hat und von 'Fast Company' Ende 2009 als einer der hundert kreativsten Geschäftsleute identifiziert wurde, innerhalb der Personal-Systems-Sparte im grösseren Umfang Innovation vorantreiben.
Sein Nachfolger wird Stephen DeWitt, der bisher bei der Personal Systems Group das Amerikageschäft geleitet hat und nun weltweit für die Verbreitung des von Palm in webOS umbenannte Mobile-Betriebssystem verantwortlich ist. Ursprünglich unter der Direktive von Rubinstein für das "Palm Pre" entwickelt, ist webOS die Plattform, auf der HPs Tablets und Smartphones aufbauen.
Die Änderungen seien als Zeichen zu werten, dass HP die Unit auf eine breitere Basis stellen will, sagte DeWitt in einem Interview, so soll die Sparte künftig auch andere Bereiche umfassen, wie etwa Drucker, die auf webOS laufen, Beratungsdienstleistungen für Unternehmen, die das Betriebssystem einsetzen wollen und einen globalen Vertrieb. "Wir werden gross", wird der neue webOS-Chef vom 'WSJ' zitiert.
Glück mit den Wächtern des geistigen Eigentums
HP-Chef Léo Apotheker selbst hat sich für webOS stark gemacht. Flaggschiff der Einheit ist das TouchPad, das DeWitt zufolge helfen soll, Märkte wie Indien und China zu erobern, wo Palm bisher keine starke Präsenz hatte. Anfang Februar erstmals gezeigt, wurde HPs erster Tablet-PC von einigen Magazinen prompt als aussichtsreichster iPad-Killer bezeichnet. Doch bis zum Verkaufsstart am 1. Juli hat HP sich lange Zeit gelassen, den Kritikern, im Positiven wie im Negativen, allerdings auch.
Dass der Name TouchPad bei den Behörden international durchgegangen ist, grenzt schon fast an ein Wunder, denn andere Unternehmen haben sich gefallen lassen müssen, dass ihre teils viel weniger geläufig klingenden Produktnamen zu gängig seien. Touchpad steht nun mal auch für das berührungssensitive Eingabefeld auf Notebooks und Netbooks.
Rubinstein half Jobs beim Apple-Turnaround
Zurück zu Rubinstein: Seine ersten Sporen hatte er in den 1980er Jahren bei HP in Colorado verdient. 1990 wurde er erstmals von Steve Jobs angesprochen, für sein anderes Standbein Next die Entwicklung einer Grafik-Workstation zu leiten, die allerdings nie auf den Markt kam. Als Apples Innovationskraft 1997 immer mehr schwand und das Unternehmen nach einem Verlust von 816 Millionen Dollar fast dem Untergang geweiht war, holte Jobs Rubinstein als leitenden Hardware-Entwickler an Bord und hat damit den Grundstein für den späteren Erfolg gelegt.
Der iPod, der in weiten Teilen die Handschrift Rubinsteins trägt, hat 2007 mit 8,3 Milliarden Dollar rund ein Drittel des Apple-Umsatzes eingebracht. Das war allerdings zwei Jahre, nachdem Apple bekanntgegeben hatte, dass Rubinstein sich zur Ruhe gesetzt habe, was er schliesslich doch nicht tat, da er 2007 bei Palm anheuerte und 2009 den Chefposten erklomm. (Klaus Hauptfleisch)

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