HP lässt TouchPad von den Toten auferstehen

31. August 2011, 13:49
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Die Attacke der Zombie-TouchPads soll aber nicht lange dauern. Die Produktion wird vorübergehend wieder aufgenommen - Die Analystenszene fragt sich, was das soll.

Die Attacke der Zombie-TouchPads soll aber nicht lange dauern. Die Produktion wird vorübergehend wieder aufgenommen - Die ganze Analystenszene fragt sich, was das soll.
Gerademal elf Tage nach dem offiziellen Aus gefeiert wurde, hat Hewlett-Packard laut 'Wall Street Journal‘ (WSJ) angekündigt, das "TouchPad" vorübergehend doch weiter produzieren zu lassen. HPs Entscheidung, alle Aktivitäten bezüglich des eigenen WebOS-Tablets einzustampfen, fiel weniger als zwei Monate nach Marktstart Anfang Juli. Denn trotz früh erfolgter Preissenkung von 20 Prozent ist es dem PC-Riesen nicht gelungen, mit dem TouchPad die Kunden von Apples iPad wegzulocken.
Erst HPs Entscheidung die Restbestände zu einem absoluten Schleuderpreis loszuwerden, führte dann ironischerweise doch noch zu einem Boom. Bei Twitter wurden Tipps ausgetauscht, wo das Gerät noch zu haben ist, bei Retailern wie Best Buy Co. bildeten sich lange Schlangen und das TouchPad ging weg wie die warmen Semmeln.
Angesichts der von Industriebeobachter IHS iSuppli geschätzten Produktionskosten von 306 Dollar für das 16GB-Gerät legt HP beim Ausverkaufspreis von 99 Dollar für jedes TouchPad mehr als 200 Dollar drauf. Wozu also noch mehr produzieren lassen, fragen sich viele Analysten stirnerunzelnd?
Ein Grund dafür könnte der TouchPad-Bauer Inventec und andere Lieferanten aus Taiwan sein, die von HP Kompensation für ihre vollen Komponentenlager verlangen. Wie wir gestern bereits berichteten, reichen die Lagerbestände bei den Lieferanten noch für mindestens 100'000 TouchPads mit 7-Zoll-Display aus, die nach den ursprünglichen Plänen im dritten Quartal auf den Markt kommen sollten. Für HP könnte es daher trotz allem billiger sein, die restlichen Tablets doch noch produzieren zu lassen.
HP könnte zudem den Preis wieder heraufsetzen – falls die Käufer dies goutieren. Was die neuen TouchPads kosten sollen, darüber schwieg sich HP bisher aus. Wie HP-Sprecher Mark Budgell in einem Unternehmensblog zudem schrieb, sei nicht gewiss, wann die Geräte zu erwarten sind und ob die Stückzahlen ausreichten, um alle potentiellen Kunden beliefern zu können. HP teilte derweil mit, man freue sich sich über die sehr hohe Nachfrage nach dem TouchPad.
Die Aktion erweckt jedenfalls ein weiteres Mal den Eindruck, dass HP in Sachen TouchPad-Beerdigung - gelinde gesagt - ziemlich planlos vorgegangen ist. Auch Shaw Wu, Analyst bei Sterne Agee, hält die vorübergehende Revitalisierung des TouchPad beispielsweise für eine schlecht durchdachte Entscheidung, eine von vielen eilig getroffenen. Statt die Kunden und Anwendungsentwickler damit enger an sich zu binden, könnte der Schritt im Gegenteil dazu führen, dass diese weiter verunsichert werden. (Hans Jörg Maron / Klaus Hauptfleisch)
(Illu: rumikel. Bearbeitung: inside-channels.ch)

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