HP-Schnüffelaffäre: Hurds Stuhl beginnt zu wackeln

21. September 2006, 09:56
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HP-Chef Mark Hurd genehmigte den Versuch, eine Journalistin mit einer verseuchten E-Mail zu ködern.

HP-Chef Mark Hurd genehmigte den Versuch, eine Journalistin mit einer verseuchten E-Mail zu ködern.
Die HP-Schnüffelaffäre zieht immer weitere Kreise. Die 'Washington Post' berichtet heute in einem spannenden Artikel, dass HP-Chef Mark Hurd (Foto) von gewissen zweifelhaften Praktiken wusste und diese ausdrücklich gut hiess.
Auf der Suche nach der undichten Stelle im Verwaltungsrat, versuchte ein HP-Team einer Journalistin von Cnet news.com einen fiktiven unzufriedenen Insider ("Jacob") unterzujubeln. Dieser "Jacob" sollte gegenüber der Journalistin, die bereits mehrere Insider-Infos über HP veröffentlicht hatte, vorspiegeln, er sei frustriert und habe Lust, sie mit Infos zu versorgen. Ausserdem sollte sich "Jacob" als Fan ihrer Kolumnen einschmeicheln.
Der fiktive Insider sollte der Frau dann eine korrekte Insider-Info über einen neu entwickelten Handheld per Mail zuspielen. In dem Mail enthalten war eine Präsentation als Beilage, die mit einem "Tracer" verseucht war. Über den "Tracer" wollte die HP-Gegenspionage dann heraufinden, an wen die Journalistin das Mail weiterleitete. Man hoffte, sie würde das Attachment an ihre Quelle im HP-VR senden, um die Info zu bestätigen.
Pikant ist nun, dass gemäss internen E-Mails, die der Washington Post vorliegen, HP-Chef Mark Hurd über die Gegenspionage-Massnahmen gegen die Cnet-Journalistin informiert war und diese ausdrücklich gut hiess.
Checken Sie Ihre Putzfrau!
Auf der Suche nach einer undichten Stelle im Verwaltungsrat, hat die HP-Chefetage offenbar mehr als nur die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Man heuerte Privatdetektive an, die unter Vorspiegelung einer falschen Identität Telefonie-Daten von VR-Mitgliedern ausspionierten und ihre Wohnungen überwachten.
Man diskutierte offenbar sogar, ob man als Putzfrauen getarnte Spione in die Redaktionen des 'Wall Street Journals' und von 'Cnet news.com' einschleussen könnte.
Bis jetzt stand HP-VR-Chefin Patricia Dunn im Kreuzfeuer der Kritik. Sie wird ab Januar als VR-Präsidentin abtreten. Mit der heutigen Enthüllung gerät nun auch der knüppelharte aber bis heute sehr erfolgreiche Mark Hurd ins Visier der Medien und Ermittler.
Morgen will Hurd an einer Pressekonferenz offenbar mehr zur HP-Schnüffelaffäre sagen. Ende September dann wird es ein Hearing vor einem Unterkommittee des US-Kongresses geben. Affaire à suivre. (Christoph Hugenschmidt)

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