HP-Schnüffelaffäre: Strafanklage gegen VR-Präsidentin und "Chefethiker"

5. Oktober 2006, 10:49
  • international
image

Des Chefethikers Reaktion, als er über die Schnüffelmethoden aufgeklärt wurde: "Ich hätte besser nicht gefragt..."

Des Chefethikers Reaktion, als er über die Schnüffelmethoden aufgeklärt wurde: "Ich hätte besser nicht gefragt..."
Bill Lockyer, der Staatsanwalt von Kaliforniern, hat eine Strafanzeige gegen gegen Patricia Dunn, die Ex-Verwaltungsratspräsidentin von HP, eingereicht. Ebenfalls angezeigt wurde Kevin Hunsaker, der für ethische Fragen bei HP zuständig war, sowie drei Privatermittler, die an einer Schnüffelaktion HPs gegen eigene Verwaltungsräte und einige Journalisten beteiligt waren.
Der zuständige Richter hat einen formellen Haftbefehl gegen Dunn, Hunsaker und die drei Ermittler ausgestellt. Hunsaker und Dunn können aber bis zum Prozess ohne Kaution auf freiem Fuss bleiben. Der Staatsanwalt wirft allen fünf Angeklagten je vier Straftatbestände vor, die mit Verstössen gegen die Privatsphäre zu tun haben. Jedes der Vergehen könnte mit einer Höchstrafe von bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Busse von bis zu 10'000 Dollar bestraft werden.
Das 'Wall Street Journal' und andere renommierte US-Medien interpretieren die Strafanzeige als ein klares Signal der Justiz an US-Unternehmen, dass man nicht gewillt ist, Verstösse gegen die Privatsphäre auf die leichte Schulter zu nehmen.
Die Affäre um die bei dieser Ermittlung angewendeten Methoden gilt in den USA bereits als einer der peinlichsten Unternehmensskandale der letzten Jahre. Die Prozesse gegen Dunn und Hunsaker werden nun dafür sorgen, dass der Name HP im Zusammenhang mit diesem Skandal noch für Jahre in den Schlagzeilen der US-Presse bleiben dürfte.
"I shouldn't have asked..."
Im Falle von Patricia Dunn glaubt der Staatsanwalt trotz gegenteiliger Aussagen der zurückgetretenen Verwaltungsratspräsidentin, dass er nachweisen kann, dass sie sich der Problematik der bei der Ermittlung angewendeten Methoden bewusst war.
Chefethiker Kevin Hunsaker wird noch mehr Mühe haben als Dunn, auf dem Standpunkt zu bleiben, er habe nicht geahnt, dass die Methoden illegal gewesen sein könnten. Wie aus vom 'Wall Street Journal' veröffentlichten E-Mails hervorgeht, erkundigte er sich bereits im Januar dieses Jahres, als die Sache noch im Gang war, bei Anthony Gentilucci, dem Chef der internen Ermittlungsabteilung von HP, ob die Methoden "sauber" seien. Nachdem ihm Gentilucci die Methoden kurz schilderte, schrieb er in einem Antwortmail: "I shouldn't have asked..." (Hans Jörg Maron)

Loading

Mehr zum Thema

image

Datenleck bei der Fremdsprach-App Duolingo?

In einem Darkweb-Forum werden die Daten von 2,6 Millionen Accounts zum Verkauf angeboten. Doch das Unternehmen bestreitet eine Sicherheitsverletzung.

publiziert am 25.1.2023
image

Hochschule Luzern tritt Blockchain Research Institute bei

Dem Netzwerk gehören zahlreiche internationale Unternehmen, Forschungsinstitute und staatliche Institutionen an. Gefördert werden soll insbesondere das Gemeinwohl.

publiziert am 25.1.2023
image

Ukraine will bei IT-Security stärker mit der NATO zusammenarbeiten

Das von Russland angegriffene Land will offizieller Partner des "Joint Center for Advanced Technologies in Cyber Defense" der Nato werden. Andere Länder könnten davon profitieren.

publiziert am 25.1.2023
image

Mitel will Unify-Business von Atos kaufen

Der Kommunikationsspezialist will den Bereich Unified Communications & Collaboration von Atos übernehmen. 3000 Mitarbeitende könnten ihren Arbeitgeber wechseln.

publiziert am 25.1.2023