HP startet Verkauf von Mikroservern aus dem Projekt Moonshot

9. April 2013, 13:47
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Das im November 2011 von HP noch als Proof of Concept lancierte Projekt "Moonshot" erhält nun erstmals ein vermarktbares Gesicht.

Das im November 2011 von HP noch als Proof of Concept lancierte Projekt "Moonshot" erhält nun erstmals ein vermarktbares Gesicht.
Gestern um 8 Uhr Ortszeit oder (17:00 Uhr MEZ) wurde mit dem Launch des "Moonshot 1500" der Startschuss für den zunächst nordamerikanischen und bald auch weltweiten Verkauf dieser neuen sogenannten "Mikroserver" gegeben. Mikroserver sollen es ermöglichen, in einem einzigen Rack weit mehr als tausend Server zu betreiben, die mit stromsparenden und wenig Hitze erzeugenden Intel-Atom- oder -ARM-CPUs ausgerüstet sind. Binnen eines Monats sollen die Systeme weltweit auch über Channel-Partner erhältlich sein. Der Hersteller bejubelt das "Projekt Moonshot" als einen der grössten Meilensteine an, seit HP Ende der 1980er Jahre die x86er mit initiiert hat.
Matthias Malm, Director ISS Germany für Enterprise Server, Storage & Networking, erklärt dazu heute am Münchener Standort, dass HP für Moonshot drei "Routes to Market" verfolge: Der Kunde habe die Wahl, ob er dem Direktvertrieb folgt, der im Serverumfeld etwa 25 Prozent ausmacht, ob er die Systeme über das klassische Reseller-Geschäft oder über Systemintegratoren beziehen will, oder, als dritten Weg, über Cloud-Partner. Im Prinzip komme wegen der Artverwandtschaft zu Blade-Systemen jeder ProLiant-Fachhandelspartner in Frage. Wichtig sei vor allem Applikations-Knowhow. Eine spezielle Zertifizierung sei vorerst nicht angedacht, wohl würden Channel-Partnern aber entsprechende Schulungen angeboten werden.
1'620 oder 1'800 Serverlein in einem Rack
In dem jetzt ersten verfügbaren Moonshot-Mikroserver, dem Moonshot 1500 Chassis, sind bis zu 45 "Server-Cartridges" mit jeweils einem von Intels stromsparenden 64-Bit-Prozessoren Atom S1200 (mit Taktraten bis zu 2 GHz) verbaut. In einem halben Jahr wird es möglich sein, jeweils vier Server auf einer Cartridge beziehungsweise 180 in einem Chassis zu erhalten. Auch eine Mischung von Server- und Storage-Catridges soll möglich werden. Bei 9 Höheneinheiten, in Europa meist die Obergrenze, lassen sich somit theoretisch 1'620 Server in einem Rack unterbringen. Die im Internet kursierende Zahl von 1'800 Servern in einem Rack rührt daher, dass in Nordamerika andere Rack-Masse gelten, womit ein Chassis mehr Platz hat.
Aus Redundanzgründen sind jeweils zwei Switches verbaut. Hinzu kommt ein Management-Modul. Da es sich bei dem Motherboard um ein SoC-Design (System on a Chip) handelt, fallen weniger Komponenten an. Dadurch soll auch weniger Verluststrom anfallen. Ausserdem lassen sich auf kleinstem Raum auch weitere SoC-Features wie GPU, APU oder DSP (Digital Signal Processor) unterbringen. Momentan werden maximal 8 GB Speicher unterstützt, in Zukunft soll sich der Arbeitsspeicher erhöhen. Aktuell werden Cartridges mit 500GB oder 1TB fassenden SATA-Festplatten angeboten, künftig auch solche mit SAS-Festplatten und SSDs, erklärt Sandra Liesenfeld, Presales Consultant HP Enterprise Business.
Himmelhoch wachsendes Datenvolumen
Mit dem Projekt Moonshot, in dem aus der ProLiant-Historie heraus 10 Jahre Entwicklungsarbeit stecken sollen, reagiert HP auf die vier Megatrends Social Media, Mobile, Cloud Computing und Big Data. Diese würden die heute schon bestehende Datenflut massiv steigern und ein Umdenken bei der Servertechnologie erfordern. Unter dem Motto "Software Defined Server" unterscheiden sich die Moonshot-Mikroserver von ihren x86-Vettern insofern, dass sie für jeweils spezielle Workloads oder Anwendungen konzipiert werden und nicht für generelle Workloads. Die Idee dahinter ist ein sehr schnell auf neue Bedürfnisse anpassbares, extrem schlankes und stromsparendes Design und ein neuer Weg des Scale-out im Sinne einer flexiblen und heterogenen Computing-Infrastruktur.
Wie HP-Chefin Meg Whitman bei Beginn des weltweiten Launchs am Vortag ausführte, werden durch grosse Cloud- und Webservices bis 2016 weltweit rund 8 bis 10 Millionen Server in den Rechenzentren erforderlich. Zusammen würden sie Baukosten von 10 bis 20 Milliarden Dollar verschlingen und so viel Energie wie 2 Millionen US-Haushalte. Dabei wird angenommen, dass sich die Zahl der internetfähigen Geräte bis 2020 auf 30 Milliarden Stück in etwa verdreifachen wird. Das Datenvolumen soll bis dann – auch durch intelligente Weissware wie vernetzte Kühlschränke – auf sage und schreibe 40 Billionen GB anwachsen.
Schätzungen zufolge wird für jedes neu entwickelte Smartphone ein neues Rechenzentrum nötig. Das erfordert laut Malm und Johannes Horneck, Business Development Manager DC Solutions, neue intelligente Lösungen, um allein das Problem des wachsenden Energiebedarfs zu meistern.
Zuerst Webhoster, dann viele andere Kunden im Visier
Die jetzt vorgestellten ProLiant Moonshot Cartridges und Chassis, die sich im ersten Schritt noch rein dediziertes Webhosting adressieren, sollen den Energiebedarf gegenüber herkömmlichen ProLiant-Servern um 89 Prozent senken helfen. Die Gesamtkosten sollen um 77 Prozent sinken, der Platzbedarf um 80 Prozent und die Komplexität um 97 Prozent.
Neben der Stromersparnis und der täglich wachsenden Datenflut adressiert Moonshot laut Malm ein anderes wichtiges Thema, und das heisst Speed. Gemeint ist nicht die CPU-Geschwindigkeit, sondern der Bedarf an deutlich kürzeren Produktzyklen. Bei der installierten Basis spreche man heute von 3 bis 4 Jahren, Intel und AMD geben einen Takt von etwa 2 Jahren vor. Mit Moonshot liessen sich Rhythmen von einem halben Jahr oder weniger realisieren, um den Kunden massgeschneiderte Lösungen für die spezifischen Bedürfnisse jeder einzelnen Workload anbieten zu können.
Für die Anwendungsszenarien hat HP auch schon eine ganz konkrete Roadmap: Im ersten Schritt (Leap 1) werden Dedicated Hosting und Web Front End genannt, im dritten Quartal 2013 sollen dann die Bereiche Analytics, Telcos (Telekommunikation) und (Online-) Gaming folgen, mit dem dritten Sprung im vierten Quartal unter anderem auch Virtual Hosting. Weitere interessante Anwendungsgebiete und entsprechende Kunden sind Big Data und Hadoop, Desktop-Infrastruktur und HPC. Mit neuen leistungsstärkeren Atom- oder ARM-Prozessoren seien den Möglichkeiten in Zukunft keine Grenzen gesetzt, sagt Business Development Manager Horneck.
Zunächst ist Linux als Betriebssystem an Bord. Microsoft Windows Server wird zwar unterstützt, ist vorerst aber nicht zertifiziert. Denkbar sind auch mehrere Betriebssysteme in einem Chassis. Das HP Moonshot System ist in der Schweiz ab Mai erhältlich. Der Preis für das HP Moonshot 1500 Chassis, 45 HP ProLiant Moonshot-Server und einen integrierten Switch beginnt bei rund 70'000 Franken. Der Energieverbrauch bei Volllast beträgt 1,2 bis 1,5 kW, was bei einem Rack mit 9 oder 10 Chassis schon gewisse Grenzen aufzeigt. Aber auf Volllast wird man so ein System wohl kaum fahren, meint die HP-Beraterin Liesenfeld. (Klaus Hauptfleisch)

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