HP-Totalumbau: Neue Tonlage

5. Oktober 2011, 10:46
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Keynote von HP-Verwaltungsrätin Ann Livermore vor dem europäischen Channel stösst auf grosses Interesse. Livermore verspricht baldigen Entscheid im Interesse der Kunden. HP wird PSG mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent behalten, glauben europäische Channel-Journalisten.

Keynote von HP-Verwaltungsrätin Ann Livermore vor dem europäischen Channel stösst auf grosses Interesse. Livermore verspricht baldigen Entscheid im Interesse der Kunden. HP werde PSG mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent behalten, glauben europäische Channel-Journalisten.
Eigentlich hätte gestern Dienstag Ex-HP-Boss Léo Apotheker eine der Keynotes am 'Canalys Channel Forum' in Barcelona halten sollen. Doch wie schon letztes Jahr, als Mark Hurd angekündigt, aber kurz vor dem Channel-Event entlassen worden war, schaffte es auch Apotheker nicht nach Barcelona. Dass Hewlett-Packard mit Verwaltungsrätin Ann Livermore aber eine Person als Ersatz nach Barcelona geschickt hat, die den Entscheid für oder gegen die Abspaltung der PC-Abteilung mit verantworten wird, zeigt, dass man sich nun offenbar auch in Kalifornien bewusst geworden ist, wieviel Geschirr man bei Kunden und Resellern zerschlagen hat.
Livermore verspricht raschen Entscheid
Der Auftritt von Livermore war denn auch gestern DAS Thema am Forum, das für die meisten anwesenden Distis und Reseller sonst eher für persönliche Gespräche benützt wird.
Natürlich konnte die HP-Veteranin nichts grundlegend neues sagen, da der Entscheid über die Zukunft des PC-Business noch nicht gefallen ist. Doch Livermores Tonlage war neu. So rang sie sich zu so etwas wie Selbstkritik durch, als sie sagte, die Unklarheit über die Zukunft der PSG (Personal Systems Group) sei "not good for you, not good for us, not good for customers". HP habe den Entscheidungsprozess nun beschleunigt. Und sie sprach mehr über Nachteile ("dis-synergies", Verluste in der Lieferkette für die verbleibenden Highend-Produkte, höhere Beschaffungskosten) denn über Vorteile, die eine allfällige Abspaltung des 40-Milliarden-Dollar-Geschäfts haben könnte. HP werde die PC-Abteilung nur abspalten, wenn das PC-Geschäft als separate Firma noch an Umsatz, Marktanteil und Marge gewinnen könne.
Ausserdem, so Livermore, sei die Situation mit derjenigen von IBM vor dem Verkauf des PC-Geschäfts (Livermore nannte IBM nicht direkt) nicht zu vergleichen, denn HP verdiene im PC-Geschäft Geld, während IBM damals eine Verlustquelle stopfen wollte.
Auch vom Apotheker'schen Lob der hohen Marge im Softwaregeschäft war von Livermore nichts zu hören, ebenso wenig wie vom Argument, man könne das Kapital, das mit der Abspaltung der PSG frei würde, besser einsetzen. Vielmehr betonte sie, dass die Integration von Hardware, Software (Autonomy) und Services bisher einzigartige Lösungen erlauben werde.
Entscheid am 21. Oktober?
Eine kleine, keineswegs repräsentative Umfrage unter den vielen anwesenden Channel-und Wirtschafts-JournalistInnen ergab ein interessantes Ergebnis: HP werde das PC-Geschäft eher nicht abspalten, glauben die meisten. Aufgefallen ist den KollegInnen ausserdem, dass von einem Verkauf der PSG nicht mehr die Rede ist.
Wenig neue Erkenntnisse scheint hingegen ein Vortrag von HP gebracht zu haben, in dem die Strategie bezüglich neuartigen Clients wie Tablet-PCs aufgezeigt worden ist. HP werde "irgendwann" wieder Tablets lancieren, erzählte ein Schweizer Reseller, der sich den Vortrag angehört hat. "Sie sagten, dass sie eine Strategie hätten, aber nicht welche", so die Zusammenfassung unseres unfreiwilligen "Korrespondenten".
Allzu lange dürfte die Ungewissheit über die Zukunft des HP-PC-Geschäfts nicht mehr anhalten. Der Entscheid werde am 21. Oktober angekündigt, hörte man gestern am Rande des Gala-Dinners des Forums aus "gewöhntlich gut informierten Kreisen." Oder wars doch der 21. November? Dann nämlich wird HP die nächsten Quartalszahlen veröffentlichen. (Christoph Hugenschmidt)

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