HPE stösst auch Softwarebusiness ab

8. September 2016, 12:42
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HPEs Softwarebusiness wird mit Micro Focus fusioniert. Die einst hochfliegenden Pläne von Hewlett-Packard, ein grosser Player im Softwaregeschäft zu werden, sind endgültig begraben.

HPEs Softwarebusiness wird mit Micro Focus fusioniert. Die einst hochfliegenden Pläne von Hewlett-Packard, ein grosser Player im Softwaregeschäft zu werden, sind endgültig begraben.
Die Softwaresparte von Hewlett Packard Enterprise (HPE) wird nicht, wie zuletzt vermutet, von einem Investmentunternehmen übernommen. Stattdessen geht sie an das britischen Softwareunternehmen Micro Focus. Dieses wiederum wird nach der Übernahme zur Hälfte den HPE-Aktionären gehören.
Micro Focus wird unter dem bisherigen Namen weiter geschäften. Kevin Loosemore soll Verwaltungspräsident, Mike Philipps Finanzchef bleiben. Ob auch der CEO Stephen Murdoch seinen Job behalten wird, wird in den Ankündigungen von HPE und Micro Focus nicht erwähnt. Das Unternehmen wird neu einen Jahresumsatz von rund 4,5 Milliarden Dollar haben.
Der Deal läuft so: HPE erhält 2,5 Milliarden Dollar in Bar von Micro Focus, muss aber auch Kosten von rund 700 Millionen für die Abspaltung seines Softwaregeschäfts tragen. Zusätzlich erhalten die HPE-Aktionäre Aktien des fusionierten Unternehmens im Wert von ungefähr 6,3 Milliarden Dollar. Diese sollen 50,1 Prozent des neuen Unternehmens Micro Focus ausmachen. Das Geschäft soll bis im März des kommenden Jahres abgeschlossen sein.
Micro Focus unabhängig, aber HPE-nahe
Eine knappe Mehrheit von Micro Focus wird also den HPE-Aktionären, aber wohlgemerkt nicht HPE selbst gehören. Trotzdem wird das neue Software-Schwergewicht zumindest anfänglich sehr HPE-nah sein. Als Teil des Geschäfts wurde vereinbart, dass HPE einen Verwaltungsrat stellen und in Zukunft die Hälfte der Verwaltungsräte zumindest nominieren darf.
HPE wird nicht seine komplette Softwarepalette in den Deal einbringen. Beim Computerbauer bleiben infrastrukturnahe Softwareprodukte, wie die Cloud Suite Helion OpenStack, die Infrastruktur-Management-Software OneView und die Netzwerkmanagement-Software von Aruba.
Fast alles, was in Richtung Applikation geht, wird dagegen von Micro Focus übernommen. Dazu gehören Produkte in den Bereichen Application Delivery Management (ALM, AppPulse), Big Data (Idol, Vertica), Security (Fortify, ArcSight), Information Management und Governance (Digital Safe, Data Protector), und IT Operations Management (Service Manager, Service Anywhere).
Auch der Linux-Anbieter SUSE ist ein Nebendarsteller bei diesem Geschäft. HPE will SUSE zum "bevorzugten" Linux-Partner ernennen und Micro Focus wird nach der Fusion auch das Portfolio von Suse vertreiben.
Altlasten
Seit Anfang dieses Jahrtausends und unter den drei CEOs Carly Fiorina, Mark Hurd und Leo Apothéker hatte Hewlett-Packard das strategische Ziel verfolgt, einerseits im Servicebusiness und andererseits im Softwarebusiness einer der grossen globalen Player zu werden. Begründet wurde dies damit, dass diese Bereiche wachtums- und margenträchtiger seien, als das reine Hardware-, beziehungsweise IT-Infrastrukturgeschäft. Insgesamt wurden Dutzende von Milliarden Dollar in Übernahmen in diesen Bereichen gesteckt, aber Hewlett-Packard erreichte das grosse Ziel trotzdem nie.
Meg Whitman, die 2011 sozusagen notfallmässig den CEO-Posten übernommen hat grosse Abspaltung des PC- und Printergeschäfts (HP Inc.) vom Enterprise-Geschäft (HPE). Und seither stutzt sie HPE im Eiltempo weiter nach ihren Vorstellungen zurecht.
Im Mai wurde die Zusammenlegung eines grossen Teils des Dienstleistungsgeschäfts mit CSC. Nun folgt also auch die Abspaltung des Softwaregeschäfts. HPE soll sich danach auf Rechenzentrumsinfrastruktur, insbesondere für Cloud-Plattformen, sowie dazugehörige Services konzentrieren. Befreit vom bisherigen Ballast werde HPE flexibler agieren und schneller wachsen können, sagt Whitman.
Etwas Cash für HPE, Geschenke für Aktionäre
Die beiden grossen Deals sind sehr ähnlich strukturiert: HPE selbst erhält einen relativ kleinen Cash-"Trostpreis" - Micro Focus zahlt 2,5 Milliarden Dollar, CSC übernimmt 2,5 Milliarden Dollar Schulden des Servicearms von HPE. Der Rest des Kaupfpreises geht als eine Art Sonderdividende an die HPE-Aktionäre. Im Fall von CSC werden sie Aktien im Wert von etwa 4,5 Milliarden Dollar sowie eine Dividende von 1,5 Milliarden Dollar erhalten. Auch beim CSC-Deal, der ebenfalls im kommenden März abgeschlossen werden soll, werden die HPE-Aktionäre anfänglich ungefähr die Hälfte der Aktien des neuen Unternehmens halten.
Für EDS hatte HP 2008 14 Milliarden Dollar hingeblättert. Für Übernahmen und Eigenentwicklungen im Softwarebereich hat HP im Lauf der Jahre noch wesentlich mehr ausgegeben. Allein für den britischen Softwarehersteller Autonomy, dessen Technologie nun in Form der Big-Data-Software Idol bei Micro Focus landet, bezahlte HP vor 2011 rund 12 Milliarden Dollar. (Hans Jörg Maron)

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