Huawei trotzt Spionagevorwürfen mit starken Zahlen

25. Februar 2020, 13:30
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Google will den chinesischen Konzern mit Diensten beliefern. Huawei plant noch 2020 mit einem eigenen Mobile Ökosystem nach Europa zu kommen.

Huawei trotzt offenbar allen Sicherheitsbedenken und Spionagevorwürfen. Der chinesische Konzern konnte seinen Umsatz 2019 stark erhöhen. Er sei im Jahresvergleich um 18 Prozent auf umgerechnet rund 111 Milliarden Euro gestiegen, schreibt 'Reuters'.
Im Juni 2019 meldeten chinesische Medien, dass Huawei die Smartphone-Produktion gedrosselt habe. Allerdings hat der Konzern laut Chengdong im letzten Jahr etwa 240 Millionen Smartphones ausgeliefert. Laut dem letztjährigen Jahresbericht hat Huawei 2018 noch rund 206 Millionen Huawei- und Honor-Smartphones verschifft.
Das Geschäft mit Computern sei 2019 um über 200 Prozent gewachsen, heisst es nun. Zahlen zum zukunftsträchtigen Geschäft mit der 5G-infrastruktur gibt es derweil noch nicht.
Dies sind allerdings nicht die offiziellen Zahlen. Sie wurden von der chinesische Nachrichtenagentur 'Xinhua' publiziert, die sich auf Äusserungen des hochrangigen Huawei-Managers Yu Chengdong bezieht.

Google will weiter Dienste an Huawei liefern

Huawei vermeldet die Zahlen trotz schon länger anhaltendem politischem Gegenwind. Google-Mutter Alphabet stellte im Frühling 2019 Teile ihrer Geschäftsbeziehungen mit dem chinesischen Konzern ein, nachdem die US-Regierung Huawei offiziell wegen Spionage-Verdacht auf eine Schwarze Liste gesetzt hatte. Die Chinesen würden keine Updates für das Betriebssystem Android mehr erhalten und den Zugang zu Google Play Store, Maps oder zur Gmail-App verlieren, hiess es damals. Huawei gab daraufhin die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems sowie eines App-Stores bekannt.
Erst vor kurzem hat Google User offiziell davor gewarnt, mit einem Workaround die gesperrten Services auf Huawei-Smartphones zu installieren. Der US-Konzern hat nun eine Erlaubnis beantragt, Huawei weiter mit seinen Diensten beliefern zu dürfen. Eine solche Erlaubnis ist Microsoft offenbar bereits erteilt worden, berichteten Medien im letzten Herbst.
Betroffen von den Sanktionen sind neuere Gerätemodell. Jene, die bis zum Zeitpunkt der Sanktionen produziert worden waren, dürfen weiterhin mit Sicherheitsupdates und Aktualisierungen beliefert werden. Diese Ausnahmeregelung wurde Mitte Februar nochmals um 45 Tage verlängert.

Huawei will mit und ohne Google auskommen

Kürzlich hat Huawei bekannt gegeben, dass 2020 die Huawei Mobile Services nach Europa kommen sollen, berichtet 'Watson'. Das Paket, das weiterhin auf einer Open-Source-Version von Android basiert, soll Google Mobile Services ersetzen. Dieses umfasst etwa den Google Play Store, die Cloud-Infrastruktur, den Push-Benachrichtigungssystem und das Login mit einer Gmail Adresse. Damit will Huawei sein eigene App-Gallery stärken, auf der sich mittlerweile auch bekannt Apps finden, allerdings einige populäre Anwendungen aus US-Häusern nicht.
Zugleich betonte man bei Huawei immer wieder, dass man sich von Google nicht trennen wolle. Der Kampf zwischen den USA und Huawei dürfte sich auch in Europa entscheiden, wo viele Anbieter für ihre 5G-Infrastruktur auf den chinesischen Anbieter gesetzt haben. In der Schweiz ist dies etwa der Telco Sunrise, der erst im Herbst ein gemeinsames 5G Innovation Center mit Huawei angekündigt hat. 

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