Hyperscaler wollen einen Secondhand-Markt eröffnen

15. Mai 2020, 12:33
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Gebrauchte Hardware soll in kleineren RZs ein zweites Leben finden. Die Schweiz dürfte sich dafür als Markt aber vorerst noch nicht anbieten.

Hardware, die von den grossen Cloud-Plattformen der Welt verwendet wird, war für kleinere Käufer bisher eher schwer zu beschaffen. Das soll eine neue Initiative ändern: Das Open Compute Project (OPC) will einen Secondhand-Markt für Hardware aus hyperskalierten Rechenzentren eröffnen. 
Das OPC wurde von Facebook, Goldman Sachs und anderen 2011 gegründet und will den Open-Source-Ansatz auch auf Hardware und RZs übertragen. Das Projekt möchte gebrauchte RZ-Ausrüstung der Hyperscaler nicht in Form von Komponenten, sondern als Komplettlösungen auf den Markt bringen. Diese könnten von traditionellen IT-Anbietern an Unternehmen verkauft werden und würden zu wesentlich niedrigeren Kosten führen.

Neue Konkurrenz für HPE und Dell

"Wir versuchen, diese bewährte Hyperscale-Technologie in die gängigeren und kommenden globalen Arbeitslastmodelle einzupassen", erklärt Ali Fenn, Präsidentin des auf den Secondhand-IT-Markt spezialisierten Unternehmens ITrenew gegenüber 'Datacenterknowledge'. Die von dem OCP ermöglichte Flexibilität mache dies viel einfacher, als das bei proprietären Designs von Unternehmen wie Hewlett Packard Enterprise oder Dell Technologies der Fall sei.
Die Menge an Hardware, die jährlich aus Hyperscaler-RZs komme, sei leicht grösser als das Volumen, das jeder grosse Erstausrüster in einem Jahr ausliefere, schreibt 'Datacenterknowledge'. Der Grossteil der Vertriebsbemühungen des neuen Marktes richte sich bei Firmen wie ITRenew nun an kleinere Service Provider. Unternehmen, die mit hyperskalierten Clouds konkurrieren, indem sie sich auf branchenspezifische Lösungen konzentrieren oder mehr Dienstleistungen "up the stack" anbieten würden als die Hyperscaler.

Hyperscaler sind in der Schweiz zu wenig lange präsent

RZ-Experte Frits van der Graaff erwartet, dass sich in den nächsten Jahren durchaus ein solcher Markt entwickeln könne. "Meiner Meinung nach wird es aber länger brauchen, bevor Hardware-Lieferanten bemerken, dass es Konkurrenz gibt", sagt er gegenüber inside-channels.ch, gerade auch in der Schweiz.
Alle Hyperscaler hätten erst 2018 in der Schweiz mit RZs angefangen, und somit seien die Geräte noch nicht so lange in Betrieb. Die Grösse des Betriebes in der Schweiz sei zudem wesentlich kleiner als zum Beispiel in den USA: "Microsoft betreibt in der Schweiz etwa 5000 Quadratmeter verteilt über zwei Standorte. Google hat 3000 Quadratmeter und nur einen Standort."
Zwar gibt es immer wieder Gerüchte, dass weitere grosse Player in der Schweiz einsteigen wollen. "Die anderen Hyperscaler müssen aber erst noch in die Schweiz ziehen", sagt Van der Graaff. Erst mit weiteren RZs und längeren Betriebsdauern könnte allenfalls auch in der Schweiz ein Secondhand-Markt entstehen.

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