IBM: Ein bisschen Raumschiff Enterprise

23. Dezember 2010, 13:48
  • international
  • ibm
image

Holographische Handys und Akkus, die man nicht mehr aufladen muss.

Holographische Handys und Akkus, die man nicht mehr aufladen muss.
Kaptain Kirks schicken Kommunikator haben wir in Form von Handys ja schon lange, und darauf, den ganzen Tag im Pijama herumzurennen, können wir verzichten. Aber auch andere Raumschiff-Enterprise-Technologien könnten schon bald zu unserem Alltag gehören. IBM-Forscher glauben bespielsweise, dass es schon 2015 die ersten Handys geben wird, die wie bei Raumschiff Enterprise ein holographisches 3D-Bild des Anrufenden in den Raum werfen. Oder dass es Laptops geben wird, die nicht mehr über Netzstrom sondern wie klassische Automatikuhren kontinuierlich durch Bewegungsenergie aufgeladen werden.
Vorhersagen wie diese sind Tradition bei dem Unternehmen aus Armonk im US-Bundesstaat New York. Dabei werden die rund 3000 Forscher des weltgrössten Anbieters von IT-Dienstleistungen jeweils gebeten, sich auf fünf Zukunftsvisionen zu einigen, die in den kommenden fünf Jahren Wirklichkeit werden könnten. Die meisten der Ideen kommen aus dem Almaden Research Center in San Jose, Kalifornien.
Holo-Gespräche mit 3D-Projektionen des Gegenübers aus dem Mobiltelefon führte die Liste der Vorschläge diesmal an. Schon seit Dennis Gábor 1947 das Prinzip der dreidimensionalen Holographie erfunden hatte, gab es die Vision, eines Tages Ferngespräche mit jemandem zu führen, als sei er oder sie mitten im Raum.
Ganz weit oben auf der aktuellen Liste der IBM-Zukunftsvisionen waren auch: Akkus, die mit energiedichten Metallen statt Lithium-Ionen-Mischungen gefüttert, sich praktisch "durch Luft" aufladen oder eben über Bewegungsenergie; Computerprogramme, die voraussagen können, wann und wo sich Verkehrsstaus ereignen werden; Umweltinformationen, die über Sensoren in Autos und Mobiltelefonen erzeugt werden; und last but not least Städte, die einen Teil ihrer Energie aus der Abwärme von Serverräumen oder Rechenzentren beziehen. Fast die Hälfte der Energie in den Rechenzentren wird derzeit dafür aufgewendet, die Systeme zu kühlen. Die IBM-Wissenschaftler halten es für wesentlich effizienter, die heisse Luft der Server und Computer dafür zu nutzen, Haushalte und Büros zu wärmen.
"Dies sind alles sehr hoch gesteckte Ziele", sagt Paul Saffo, Managing Director für Vorhersagen bei der Investment-Beratungsfirma Discem aus San Francisco. "In einer Zeit, in der Pessimismus en vogue ist, kann es nicht schaden, eine kleine Dose von technologischem Optimismus zu streuen", wird er von der Nachrichtenagentur 'Bloomberg' zitiert.
Für IBM sind die jährlich zusammengekramten Ideen nicht nur wilde Spekulationen. Saffo zufolge will das Unternehmen weiterhin auch in langfristige Forschungsprojekte investieren und Wachstum aus Innovationskraft schöpfen. Einige Visionen waren allerdings etwas visionärer als andere. 2006 beim ersten Visionenwettbewerb lag beispielsweise die Erwartung von der künftigen Allmacht der Sprachtechnologien ganz oben. Auf den grossen Durchbruch, etwa auf ein universelles Übersetzungsprogramm – auch das ein Stück Standardtechnologie in vielen Science-Fiction-Filmen - warten IBM und andere Unternehmen bis heute vergeblich. Auch Second-Life-3D-Welten haben sich nicht so durchgesetzt wie erwartet, stattdessen fliegen heute alle auf 2D-Welten wie Twitter oder Facebook.
Auch wenn nicht alle Prognosen aus den seit 2006 geführten Listen durchschlagen, haben sich andere klar bewahrheitet, etwa die, dass Mobiltelefone einst als Brieftasche, Buchungs-, Banken- und Einkaufsassistent genutzt werden können.
In Almaden arbeiten IBM-Wissenschaftler nicht nur an Ideen, die mit dem Computer-Business in direktem Zusammenhang stehen. Das Forschungslabor hat auch eine Batterie für ein Elektroauto hervorgebracht, das mit einer Ladung bis zu 500 Meilen (rund 804 km) weit kommt, ebenso ein Filtersystem für die Destillation und ein Programm zur Darstellung von geographischen Daten.
"Das Gute an der Liste ist, dass sie die Gedanken beflügelt", sagt Saffo. "Wenn alles eintreffen würde, hiesse das, dass sie (die IBM-Forscher) ihren Job nicht richtig gemacht hätten." (Klaus Hauptfleisch)
(Foto: Natürlich haben wir auf der Redaktion schon ein Testgerät.)

Loading

Mehr zum Thema

image

Google und Youtube investieren, um gegen Fake-News vorzugehen

Der US-Konzern schiesst knapp 13 Millionen Franken in einen Fonds ein, um Faktencheck-Organisationen weltweit zu unterstützen.

publiziert am 29.11.2022
image

T-Systems will Belegschaft in Indien fast verdoppeln

Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit dem indischen IT-Riesen Tech Mahindra eingegangen. So will T-Systems sein Angebot an Digital- und Cloud-Services ausbauen.

publiziert am 29.11.2022
image

AWS verspricht mehr Kontrolle über Cloud-Daten

An der Reinvent in Las Vegas hat AWS angekündigt, Souveränitäts-Kontrollen und -Funktionen in der Cloud bereitzustellen.

publiziert am 29.11.2022 1
image

Genfer Kantonalbank gewinnt erneut im Rechtsstreit gegen IBM

Im jahrelangen Gezanke um einen IT-Vertrag hat die BCGE die nächste Hürde genommen. Nun kann nur noch das Bundesgericht IBM vor der Zahlung von 46,8 Millionen bewahren.

publiziert am 25.11.2022