IBM setzt auf gewinnbringende Forschung

19. November 2010, 14:33
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Bis 2015 sollen aus Forschungsresultaten Rationalisierungseffekte von acht Milliarden Dollar erzielt und Wachstumspotenzial im Umfang von 20 Milliarden Dollar geschaffen werden.

Bis 2015 sollen aus Forschungsresultaten Rationalisierungseffekte von acht Milliarden Dollar erzielt und Wachstumspotenzial im Umfang von 20 Milliarden Dollar geschaffen werden.
Das IBM Forschungslaboratorium in Rüschlikon nutzte seinen alljährlichen Medientag, um jene Forschungszweige vorzustellen, die der Weltkonzern als die wichtigsten für das zukünftige Wachstum seines im Jahr 2009 immerhin 98,9 Milliarden US-Dollar erreichenden Umsatzes erachtet. Dazu werden jährlich 6,3 Milliarden Dollar in Forschung investiert. Und ein beträchtlicher Teil dieser enormen Summe fliesst in die Schweiz, in das IBM Forschungslabor Rüschlikon und ihm angeschlossene Institutionen.
Dr. Martin Schmatz, Leiter des Departments Systems des Rüschliker Labors, erklärte in seiner Medien-Präsentation, der blaue Riese wolle in der nahen und mittelfristigen Zukunft seine Forschungsanstrengungen auf vier Bereiche fokussieren: Analyse grosser Datenmengen, Cloud Computing und Next Generation Data Centers, Workload-Optimized Systems sowie Nanotechnologie. Damit sollen die vier Wachstumsinitiativen des Konzerns unterstützt werden, die sich auf den Wandel des Gesundheitswesens beziehen, auf den Bereich der öffentlichen Belange, die Steigerung der Servicequalität, sowie das Mobile Web.
Neue Methoden der Datenanalyse
Das beschleunigte Wachstum der weltweiten Datenbestände - zurzeit werden täglich weltweit 15 Petabytes an Daten generiert - sowie deren zunehmende Vielfalt und Feinkörnigkeit verlangt neue Methoden der Datenanalyse. In der Vergangenheit ging es vorwiegend darum, verschiedenartige Daten aus historischen Beständen zu extrahieren, zu analysieren und daraus Reaktionen abzuleiten. In naher Zukunft wird das Schwergewicht der Anstrengungen auf der Online-Analyse grosser Datenmengen in Echtzeit liegen, auf der Modellierung dieser Daten und dem Gewinn von Prognosen, sowie der Unterstützung des sich daraus ergebenden Handelns. Das Forschungsziel besteht konkret darin, Datenströme von 100 Gb/s online zu verarbeiten. Heute ist man noch um zwei Grössenordnungen von diesem Ziel entfernt, dank neuer Datenbankarchitekturen und Analysemethoden soll dies in den nächsten fünf Jahren aber möglich sein. Der Konzern verfolgt diesen Bereich mit hoher Priorität und hat dafür weltweit neun Analytics Solution Centers installiert, die sich auf unterschiedliche Aspekte fokussieren. Eines dieser neuen Zentren ist dem Forschungslabor Rüschlikon angeschlossen und konzentriert sich auf den Finanzsektor.
Cloud Computing und die nächste Generation der Data Centers
Der jüngste Entwicklungsschub im Bereich des Data Processing betrifft Cloud Computing. Hier besteht das Ziel darin, über das Internet standortunabhängig nach Bedarf massive Computing-Ressourcen zur Verfügung zu stellen, und zwar sowohl in der Form von privaten Clouds für einzelne Benutzerkreise als auch in Clouds, die öffentlich zugänglich sind. IBM verspricht sich von dieser Entwicklung für ihre Kunden vereinfachten Zugang zu verschiedenartigen Services sowie Innovationsschübe bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Eine wesentliche Voraussetzung zur raschen Verwirklichung dieses Ziels ist die Bereitstellung von Computing-Ressourcen, die dynamisch wachsen können, wie dies mit der nicht allein auf IBM beschränkten Entwicklung unter dem Stichwort "Next Generation Data Center" angestrebt wird.
In Rüschlikon will man diese Anstrengungen mit der Führungsrolle in einem grossen Forschungsprojekt im Rahmen der Europäischen Union unterstützen, an dem Institutionen aus sieben Ländern beteiligt sind und das in den nächsten Tagen öffentlich angekündigt werden soll. Bei diesem Projekt geht es um umfassend gesicherte Public-Cloud-Dienstleistungen mit hoher Verfügbarkeit, die einerseits der Versorgung mit elektrischer Energie dienen und anderseits neuartige Formen medizinischer Services betreffen.
Workload Optimized Systems
IBM rechnet damit, dass in naher Zukunft der Bedarf an massgeschneiderten ICT-Systemen, die für bestimmte Aufgaben ausgelegt sind, stark zunehmen wird. Dabei geht es oftmals um die Erfüllung widersprüchlicher Anforderungen, wie beispielsweise die Abdeckung von Grundlasten und ebenso von regelmässig oder unregelmässig auftretenden Belastungsspitzen. In diesem Bereich besteht eine Fülle von komplexen Forschungsproblemen, wie etwa die flexible Lastverteilung in Mehrkern-Prozessoren. Die IBM-Forscher möchten auf diesem Gebiet mit einem holistischen Ansatz, der die gleichzeitige und aufeinander abgestimmte Entwicklung von Hardware, Software und Services betrifft, den Kundennutzen von ICT-Infrastrukturen in den kommenden Jahren wesentlich steigern.
Nanotechnologie
Das Rüschliker IBM-Labor als Geburtsstätte der mit Nobel-Preisen ausgezeichneten Erfindungen des Raster-Tunnel-Mikroskops und der Hochtemperatur-Supraleiter kann eine historische Führungsrolle in der Nachnotechnologie-Entwicklung beanspruchen. Dazu kommt die neuartige Partnerschaft des privat organisierten Industrieforschungslabors mit der öffentlichen Institution der ETH beim Bau und Betrieb des Nanotechnologie-Laborkomplexes in der Nachbarschaft des bestehenden IBM Forschungslabors, der im kommenden Jahr eröffnet werden soll.
In diesen teilweise weltweit einzigartigen Einrichtungen des grössten Nanotechnologielabors in Europa sollen neue Materialien für die Erweiterung der industriell etablierten CMOS-Technologie (Complimentary Metal Oxide Semiconductors) erforscht werden sowie Nanowires für Transistoren und Speicherelemente, ferner Komponenten, in denen Kohlenstoff das herkömmliche Silizium ersetzt. Dazu wird erwartet, dass sich technologisch völlig neue Möglichkeiten eröffnen, die auf Effekten beruhen, deren Logik nicht mehr von elektrischen Ladungen abhängt, sondern im Bereich der Molekularelektronik und der Quantenmechanik.
Forschung im Dienst geschäftlicher Ziele
Mit den ehrgeizigen Zielen der sogenannten Big Bets - wörtlich grossen Wetten - ihrer weitgespannten Forschung verfolgt IBM handfeste geschäftliche Ziele. Bis im Jahr 2015 sollen aus Forschungsresultaten einerseits Rationalisierungseffekte im Bereich von acht Milliarden Dollar erzielt und anderseits Wachstumspotenzial im Umfang von 20 Milliarden Dollar geschaffen werden. Erzielt IBM bei einem Jahresumsatz von knapp 100 Milliarden Dollar heute einen jährlichen Gewinn von rund 10 Dollar pro Aktie, soll sich dieser Wert nach Angaben von Dr. Martin Schmatz, Manager des Bereichs Systems im IBM Forschungslabor Rüschlikon, nicht zuletzt dank gewinnbringenden Forschungsresultaten bis im Jahr 2015 verdoppeln. (Gregor Henger)

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