IBM und die dicken Grundbuch-Folianten

7. Oktober 2011, 09:39
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7,5 Millionen Franken hat der Kanton Zürich für eine IBM-Software ausgegeben, die nicht wie gewünscht funktioniert.

7,5 Millionen Franken hat der Kanton Zürich für eine IBM-Software ausgegeben, die nicht wie gewünscht funktioniert.
Der IT-Riese IBM kämpft schon mindestens seit 2006 mit technischen Problemen und Lieferverzögerungen im Zusammenhang mit seiner Software für Grundbuchämter, die Teil des Gemeindelösungs-Pakets ISOV (Informations-System für Öffentliche Verwaltungen) ist. 2009 beschwerte sich erstmals der Kanton Solothurn.
7,5 Millionen
Nachdem die Kantone im Sommer die Reissleine zogen und den Vertrag mit IBM auflösten, wurde erneut über einen möglichen "intensiven Rechtsstreit" gesprochen. Wie die 'Neue Zürcher Zeitung' nun heute berichtet, ist es weiterhin offen, ob es zu einem Rechtsstreit mit IBM kommen wird. Was aber klar ist: Der Rücktritt vom Vertrag mit IBM kostet den Kanton Zürich 7,5 Millionen Franken.
6,3 Millionen Franken kosteten die Leistungen von IBM, weitere 1,2 Millionen kamen für die Anbindung der Systeme und die Migration der Daten hinzu. Interne Personalkosten sowie die Kosten eines möglichen Rechtsstreits sind dabei aber nicht berücksichtigt. Die Zahlen wurden aufgrund einer parlamentarischen Anfrage der Kantonsräte Jean-Philippe Pinto, Josef Wiederkehr und Carmen Walker Späh bekannt, wie die 'NZZ' schreibt.
IBM soll das Produkt mittlerweile weiterentwickelt haben und auf die Kantone zugegangen sein. Die Kantone haben sich nun Anfang dieser Woche zu Gesprächen getroffen. Ob man eventuell doch weiterhin bei IBM bleibt, ist noch nicht entschieden. Indessen arbeitet man in Zürich und wahrscheinlich auch in anderen Kantonen teilweise immer noch mit schweren Grundbuch-Folianten mit handschriftlichen Einträgen aus vergangenen Jahrzehnten. Eine peinliche Tatsache für den wirtschaftsstarken Kanton Zürich mit seinen Hunderttausenden von Grundstücken, bemerkt die 'NZZ'.
Grundsätzliches Problem?
Die Zürcher Kantonsräte wollten im Übrigen wissen, ob der Kanton Zürich generell ein Problem mit Software-Projekten habe. Laut dem Regierungsrat ist das aber nicht so. Einzig bei der Finanzdirektion im Bereich Personalmanagement sei es zu einer "geringfügigen Verzögerung" gekommen. Und das Steueramt brach eine Ausschreibung wegen zu hoher Folgekosten ab. Ausserdem setzte das Migrationsamt eine "nicht funktionierende Verfahrenskontrolle" ausser Betrieb. (mim)
(Foto: Foliant, 1806, Schweinsleder und Blindprägung. Urheber Lysippos)

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