IBM verteidigt sein Mainframe-Gärtchen

7. Dezember 2006, 11:35
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IBM verklagt vorsorglich ein Jungunternehmen, das nächstes Jahr Server für das z/OS auf den Markt bringen will.

IBM verklagt vorsorglich ein Jungunternehmen, das nächstes Jahr Server für das z/OS auf den Markt bringen will.
Die guten alten Mainframe-Server, heute "System z" und "System i" genannt, sind immer noch einer der lukrativsten Geschäftsbereiche von IBM. Dies dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass Big Blue auf diesem Gebiet, seit dem Ausscheiden von Amdahl und Hitachi im Jahr 2000, bei der Hardware keine Konkurrenz mehr hat.
Das kalifornische Unternehmen Platform Solutions (PSI) versucht nun, dies wieder zu ändern. Das 1999 von früheren Amdahl-Ingenieuren gegründete Unternehmen entwickelt Mainframe-kompatible Server mit Intels Itanium CPUs, auf denen Anwender neben Windows, Linux oder Unix auch die Mainframe-Betriebssysteme z/OS und OS/390 betreiben können. Aufgrund der Eigenschaften des Itaniums soll dies wesentlich effizienter geschehen, als über bisherige Software-Emulatoren für z/OS auf Intel, wie zum Beispiel "Hercules".
Die Server, in die auch die frühere Amdahl-Architektur eingeflossen ist, unterstützen ausserdem Mainframe-Verbindungen (ESCON, FICON usw.), -System Management und Partitionierung.
Die Server von PSI sind gegenwärtig bei Testkunden im Einsatz – der prestigeträchtigste ist die Lufthansa – und sollen nächsten Jahr marktreif sein, wie 'News.com' berichtet. Eine weitere Firma, T3, möchte dann die PSI-Technologie lizenzieren, um System i-ähnliche Midrange-Server zu produzieren.
Keine IBM-Lizenzen auf fremder Hardware
Nun versucht allerdings IBM, auf gerichtlichem Weg gegen diese neue Konkurrenz vorzugehen – anscheinend möchte IBM seine Mainframe-Betriebssysteme heutzutage nicht mehr für Server von Drittfirmen lizenzieren. In einer Ende November eingereichten Klage wirft Big Blue PSI vor, mit seiner Emulator-Software fünf IBM-Patente zu verletzen. Ausserdem, so IBM, verletze PSI die Bedingungen eines bestehenden Software-Lizenzvertrags mit IBM. Dieser erlaube es PSI nur, die IBM-Betriebssysteme als Endkunde zu verwenden, nicht aber, sie an eigene Kunden weiterzugeben.
IBM möchte ausserdem vom Richter eine ausdrückliche Erklärung, dass seine Weigerung, eigene Software für die PSI-Systeme zu lizenzieren, rechtens sei und kein antikompetitives Verhalten darstelle.
PSI stellt sich auf den Standpunkt, dass genau dies der Fall sei. Eine eigene Klage bei den Wettbewerbshütern hat PSI allerdings (noch?) nicht eingereicht. (Hans Jörg Maron)

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