IBM: "Wir treten ins Quantenzeitalter ein"

9. Januar 2020, 16:09
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Big Blue präsentiert eine Vielzahl an Kunden für seinen Quanten-Computing-Service. Und verspricht viel…

Ende 2017 lancierte IBM das Q Network, in dessen Rahmen Kunden Quanten-Computing-Dienste aus der Cloud beziehen können. Nun meldet Big Blue an der CES, dass bereits rund 100 Organisationen die Dienste nutzen würden, die den Zugang zu einigen Quanten-Computer-Prototypen ermöglichen. Darunter befindet sich auch ein 53-Qubit-System, wirbt IBM in einer Mitteilung. Zudem bietet der Service Zugang zu Entwicklertools sowie dem Know-how von IBMs Spezialisten.
Zu den Kunden zählen Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Namentlich genannt werden Delta Airlines, Daimler, Goldman Sachs, JPMorgan Chase & Co sowie Zurich Instruments, ein Zürcher Hersteller von elektronischem Equipment. Die Anwendung der Quantensysteme und Simulatoren hätten zu mehr als 200 veröffentlichten Forschungsarbeiten geführt, lobt IBM sein Angebot in der Mitteilung.

Gartner: Quantencomputing ist kein Experiment mehr

Gartner-Analyst Matthew Brisse erklärte gegenüber dem 'Wall Street Journal', dass das Kunden-Announcement darauf hinweise, dass Quantencomputing nicht länger ein Labor- und Universitäts-Experiment sei. CIOs und technische Fachleute würden sich mit der Technologie befassen, um sich in Zukunft von der Konkurrenz abzuheben, zeigt sich Brisse überzeugt. Bei Gartner geht man davon aus, dass bis 2023 rund ein Fünftel der Konzerne und staatlichen Institutionen Gelder für Projekte mit der Technologie budgetieren.
"Wir treten in das Quantenzeitalter ein", wirbt Dario Gil, Director of IBM Research für die eigene Tätigkeit.
Den Bemühungen der grossen Techkonzerne stehen derweil noch einige Hindernisse entgegen. Google hat zwar im Oktober 2019 die "Quanten Supremacy" verkündet. Der Konzern erklärte damals, dass ein real existierender Quantencomputer einem aktuellen Supercomputer bei der Lösung eines Problems überlegen sei. Dagegen wurden aber von verschiedenen Seiten, so unter anderem vom Konkurrenten IBM, Einwände erhoben.
Dennoch wurden Quanten-Konzepte im Labor erprobt und Quantencomputer mit wenigen Qubits, der Grundlage der Quantencomputer analog zum klassischen Bit, realisiert. Die Architektur dieser experimentellen Rechner liess sich aber bislang nicht skalieren. Das ist neben der Fehlerrate und der mangelnden Erkennung derselben ein Fokus der derzeitigen Quantenforschung.

Mercedes-Benz forscht mit Qubits nach neuen Batterien

Am Beispiel das Kunden Mercedes-Benz will IBM die Vorteile heutiger Quanten-Computing-Projekte erläutern: Aktuell müssten reale Prototypen entwickelt und gebaut werden, da es keine Software für Simulationen gebe. Ein Quantencomputer könne Abhilfe schaffen und dem Autohersteller dazu dienen, neue Materialien oder Materialkombinationen zu finden, die zu einer besseren elektrochemischen Leistung und einer längeren Lebensdauer der Batterie führen könnten.
So hätten im letzten Jahr Forscher von Mercedes-Benz untersucht, wie die chemische Reaktion zwischen Lithium und Schwefel besser verstanden werden könnte, eine Forschung für effizientere Lithium-Schwefel-Batterien.
In einem Blogbeitrag schreibt IBM-Forscherin Jeannette Garcia zum Vorgehen: "Um sicherzustellen, dass unsere Berechnungen auf der Hardware korrekt waren, haben wir sie auch auf einem klassischen Computer mit dem IBM-Quantensimulator durchgeführt. Anschliessend führten wir diese Berechnungen auf IBM Q Valencia durch und verglichen die Ergebnisse. Trotz der Arbeit mit 'fehlerbehafteten' (noisy) Qubits konnten wir immer noch ausreichend genaue Ergebnisse extrahieren."

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