Ich mag Büsis, darum bin ich kein Roboter

4. Dezember 2014, 11:43
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Endlich keine Captchas mehr: Sagen Sie "Ich bin kein Roboter", und Sie erhalten Einlass.

Endlich keine Captchas mehr: Sagen Sie "Ich bin kein Roboter", und Sie erhalten Einlass.
Seit einigen Jahren sind die sogenannten "Captchas" ein Dauerärger für viele Internetuser. Bevor man gewisse Websitefunktionen nützen kann, muss man zuerst manchmal beinahe bis zur Unleserlichkeit verzerrte Buchstaben oder Zahlen entziffern und eingeben, um zu beweisen, dass man ein Mensch und kein "Roboter" ist. Websites verwenden diese Captchas aber nicht einfach, um User zu nerven: Bei den abgewehrten "Robotern" kann es sich beispielsweise um Spamsoftware oder Schadsoftware von Cyberkriminellen handeln, die versucht, über Eingabefelder schädlichen Code in Websites zu injizieren.
Google verspricht nun, dass der Ärger zumindest bei Websites, die das Google-System "reCAPTCHA" verwenden, für die meisten User bald vorbei ist. Wer ein Mensch ist, sieht statt Buchstaben oder Bildern von Häusernummern nun noch ein Feld, auf dem man mit einem Klick bestätigen kann: "Ich bin kein Roboter". Laut Google hat man sich unter anderem zu dieser Änderung entschlossen, weil fortschrittliche Schrifterkennungssoftware - wie sie eben auch Angreifer verwenden - mittlerweile 99,8 Prozent der verzerrten Ziffernfolgen knacken könne. Das neue Analysesystem, welches das Verhalten eines Users bei der Interaktion mit einem Captcha als Grundlage zur Unterscheidung von Mensch und Maschine verwendet, wird als mittlerweile deutlich zuverlässiger eingeschätzt.
Damit die neuen Captchas eingeblendet werden, müssen Websites, die reCAPTCHA verwenden, eine neue Schnittstelle einbauen. Mehr Informationen dazu findet Sitebetreiber hier.
Neben dem Google-System gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren Captcha-Systemen. Googles reCAPTCHA dürfte aber weltweit das mit Abstand am häufigsten verwendete System sein. Auch inside-it.ch verwendet es, um unter anderem unsere Kommentarfunktion zu sichern. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass ohne diesen Schutz von automatisierten Spambots stündlich Dutzende von "Kommentaren" mit Links zu fragwürdigen Sites gepostet würden.
Klick wie ein Mensch, sonst kriegst Du ein Rätsel
Nun ist es nicht so, dass es die Google Server einfach glauben, wenn jemand oder etwas mit einem Klick bestätigt, dass ein Mensch am Werk sei. Man muss, um es salopp zu formulieren, klicken wie ein Mensch. Wenn das Google-System eine Lüge vermutet, erhält der Proband eine weitere Aufgabe. Das "Advanced Risk Analysis"-System, welche die Eingabe beurteilt, berücksichigt laut Google das Verhalten vor, während und nach der Interaktion mit dem Captcha. Was in diese Analyse einfliesst, verrät Google nicht.
Wer als Roboter verdächtigt wird, muss unter Umständen ein klassisches reCAPTCHA lösen. Google will aber auch mit neuen Aufgaben experimentieren. Bei einer davon wird es darum gehen, den Inhalt von Fotos korrekt zuzuordnen. Dabei wird beispielsweise eine Katze gezeigt, und der User muss dann aus einer Reihe anderer Fotos die auswählen, die ebenfalls Katzen zeigen.
User liefern Informationen für Forschung
Mit dem reCAPTCHA-System, das von Sitebetreibern kostenlos genützt werden kann, hat Google schon immer auch einen Nebenzweck verfolgt. Früher dienten Usereingaben dazu, aus alten Dokumenten eingescannte Wörter zu entziffern, welche die automatische Schrifterkennung nicht bewältigen konnte. Entzifferte Hausnummern fliessen in Street-View beziehungsweise Google-Maps ein.Die Informationen, die User durch das Lösen von Bilderrätseln liefern, dürften wieder um in Googles aktuelle Forschungen zum Thema Bilderkennung beziehungsweise "Computer Vision" einfliessen. (Hans Jörg Maron)

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