ICT-Branche droht mit Auswanderung

1. März 2011, 10:54
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Mit sieben Forderungen wollen eonomiesuisse und ICTSwitzerland die Schweiz zurück zur Weltspitze führen. Ganz zuvorderst steht die Erhöhung der möglichen Zahl der Arbeitswilligungen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern.

Mit sieben Forderungen wollen eonomiesuisse und ICTSwitzerland die Schweiz zurück zur Weltspitze führen. Ganz zuvorderst steht die Erhöhung der möglichen Zahl der Arbeitswilligungen für Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern.
Informations- und Kommunikationstechnologie ist für das Wachstum einer Volkswirtschaft entscheidend - auch der schweizerischen. So generiert der ICT-Sektor in der Schweiz eine höhere Wertschöpfung als die Chemische Industrie und die Mineralölverarbeitung, wie ICTSwitzerland und economiesuisse in einem heute vorgestellten Papier (Link unten) festellen.
Die Schweizer Volkswirtschaft ist zwar insgesamt ausgesprochen erfolgreich, verliert aber in Ranglisten wie etwa dem 'Digital Economy Ranking' (Click öffnet PDF) der Economist Intelligence Unit seit dem Jahr 2006 regelmässig und rasch an Boden. Letztes Jahr belegte die Schweiz gerade noch Rang 19, knapp vor Frankreich, Belgien und Bermuda.
Gut schneidet die Schweiz im Bereich "Business Environment" ab, besonders schlecht im Bereich "Government policy and vision", stellen die beiden Wirtschaftsverbände fest.
Mehr Kontingente!
Die ICT-Branche ist für die Entwicklung einer Volkswirtschaft wichtiger als es scheint. Denn sie beschäftigt zwar nur etwa 170'000 Erwerbstätige in der Schweiz, ist aber als so genannte Querschnittsbranche mitentscheidend für die Steigerung der Produktivität in anderen Branchen. Zudem ist auch der Export der Schweizer IT-Industrie nicht unbedeutend.
economiesuisse und ICTSwitzerland schlagen in dem Papier sieben "Ziele", drei fürs Parlament und vier für Bund und Kantone, vor, deren Erreichung die Schweiz zurück unter die Top-5 der ICT-Volkswirtschaften bringen soll.
Zwar nur als Ziel 6 formuliert, aber aktuell vordringlich, ist die Bekämpfung des Mangels an Fachkräften für ICT. Der Bund soll notwendige Massnahmen für die Stärkung der Ausbildung ergreifen, aber auch "mit hoher Dringlichkeit die Kontingentierung für Fachkräfte nachfragegerecht" gestalten. Gemeint ist, dass der Bund die Zahl der Arbeitsbewilligungen für SpezialistInnen aus Nicht-EU-Ländern rasch erhöhen soll. Die Begründung der beiden Wirtschaftsverbände ist radikal: "Zu erwartende Folgen eines Fachkräftemangels sind die Abwanderung von ganzen IKT-Unternehmensteilen ins Ausland," heisst es auf Seite 14 des Papiers.
Digitale ID, Bandbreite, Geld für E-Health...
Die anderen sechs, als "Zielvereinbarungen" formulierten Forderungen sind allesamt bekannt, neu ist aber wohl die Zusammensetzung. Drei "Zielvereinbarungen" richten sich an das Parlament:
Firmen und Individuen sollen in der virtuellen Welt gleich handeln können wie in der realen Welt, digitale Identitäten und Prozesse, in denen man diese nutzen kann, sollen also gefördert werden.
Weiter soll die Grundversorgung mit Bandbreite auch in Zukunft sichergestellt werden und der Bau von modernen mobilen Datennetze soll erleichtert werden - sprich die Grenzwerte für die Strahlung von Handyantennen gesenkt werden.
In den vier "Zielvereinbarungen" für Bund und Kantone geht es neben der Forderung nach Ausbildungsförderungen und mehr Arbeitsbewilligungen um E-Health und E-Government. Der Bund soll seine Ziele aktualisieren und konkrete mittelfristig umsetzbare Pläne aufsetzen. Weiter soll der Bund rasch Vorschläge für die Nutzung von ICT in Energie und Transport erarbeiten und die Effizienz im Kampf gegen Internetkriminalität erhöhen. Zu diesem Zweck sollen Bund und Kanton die "Informatikplattformen der Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden" vereinheitlichen.
Auf weiteren 25 Seiten führen die Autoren, von denen viele aus der IT-Branche selbst stammen, en détail aus, welche "Visionen" bis 2020 umgesetzt werden könnten und führen (mehr oder weniger) konkrete Massnahmen auf. (Christoph Hugenschmidt)
Das 42-seitige Papier von economiesuisse und ICTSwitzerland "digitale agenda 2020. auf dem weg an die weltspitze" kann kostenlos heruntergeladen werden (Klick öffnet PDF).

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