ICTswitzerland schlägt Mittel für mehr Frauen in der IT vor

27. März 2020, 14:58
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Jetzt müsse gehandelt werden, fordert der Branchenverband in einem Positionspapier. Er will geschlechterspezifische Nachwuchsförderung und Umschulungen.

Die These eines überarbeiteten Positionspapiers von ICTswitzerland ist unmissverständlich geblieben: Für die digitale Zukunft braucht es mehr Frauen in der IT. Dazu wurden nicht nur die Zahlen auf den neusten Stand gebracht, sondern das Thema neu gewichtet. So fokussiert der Branchenverband nun mehr auf die Bereiche, die "Grundlagen für eine notwendige, positive Veränderung bilden sollen und wo politische Forderungen angebracht sind". Gemeint sind die (Volks-)Schule und der berufliche Quereinstieg.

Die Schweiz befindet sich europaweit im letzten Drittel

Konkret werden in dem Papier (PDF) zunächst die Fakten anhand der Zahlen von 2018 rekapituliert. Demnach sind Frauen bei den Informatikausbildungen deutlich unterrepräsentiert. Lediglich 11 Prozent oder 660 Frauen haben hier einen der insgesamt 6001 Lehrabschlüsse gemacht. Ähnlich sehe es bei den eidgenössischen Fähigkeitszeugnissen und Diplomen aus, die ebenfalls nur zu 11 Prozent von Frauen erworben wurden. Etwas schlechter noch sei der Frauenanteil bei den Abschlüssen an den Fachhochschulen (10 Prozent) und Technikerschulen (8 Prozent). "An den Universitäten sind die Frauen mit einem Anteil von 14 Prozent am stärksten vertreten", so die Analyse.
Im Vergleich zeigt sich ein ernüchterndes Resümee: Bei den Informatik-Lernenden und Studierenden in der Schweiz ist der Frauenanteil seit 2001 "fast nicht mehr angestiegen und betrug immer zwischen 10 und 12 Prozent". Dass er 2018 zum ersten Mal bei 13 Prozent lag, kann wohl kaum als Verbesserung gelesen werden. Nicht zuletzt, dass die Schweiz europaweit im letzten Drittel angesiedelt sei, zeige klar, dass "die Schweiz etwas tun muss, um die Frauen in die Informatik zu bringen", folgert ICTswitzerland.

Der Branchenverband sieht Politik und Gesellschaft in der Verantwortung

Der Verband appelliert, die Nachwuchsförderung für Mädchen zu verbessern. Es müsse akzeptiert werden, dass nicht nur die Schule, sondern unsere gesamte Gesellschaft und vor allem auch die Politik in der Verantwortung stehe. Statt Bildungsföderalismus (oder besser -individualismus) zu favorisieren, sollten Kantone und Bund gemeinsam Lösungen erarbeiten und umsetzen, heisst es in dem Papier.
Zur Umsetzung wird gendergerechter Unterricht in der Informatik und vor allem Mathematik empfohlen. Zudem sollte die Aufweichung der Geschlechtersegregation in frauen- respektive männertypische Berufe sowie die Stärkung des Selbstbewusstseins von Frauen in mathematischen Fächern angestrebt werden.
Nicht die Mädchen müssten sich ändern, sondern wir alle, wird denn auch betont. Die Umsetzung des Lehrplans 21 mit dem Modul "Medien und Informatik" reiche nicht aus, Mädchen für die Informatik zu begeistern.

ICTswitzerland will eine Umschulungsinitiative für Frauen

Interessant ist weiter das Werben von ICTswitzerland um Quereinsteigerinnen. Da lebenslanges Lernen ohnehin das Gebot der Stunde in der digitalisierten Welt sei, könnte sich anbieten, "eine speziell für Frauen entwickelte nationale Umschulungs- und Weiterbildungsinitiative" zu starten.

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