Im Logistik-Bauch

10. Januar 2014, 09:00
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Der Weg eines Pakets im riesigen Lager des IT-Distributors und Dienstleisters Also.

Der Weg eines Pakets im riesigen Lager des IT-Distributors und Dienstleisters Also.
Es rüttelt. Endlich komm ich weg. Endlich darf ich dahin, wo ich schon immer hin wollte. Ich komme in eine Kartonschachtel, aber nicht nur ich, sondern noch 20 andere meinesgleichen. Glücklicherweise lassen die beiden Hände, die uns bewegen, die Schachtel offen. Die Halle, in der wir uns befinden, ist gross und grau, und die Menschen sind grösstenteils auf Gabelstaplern unterwegs.
Rollbahnen oben, Rollbahnen unten
Die Reise durch die 200 Tennisplätze grosse Halle dauert durchschnittlich einen halben Tag. Und das, obwohl pro Tag 30'000 Gegenstände verschoben werden und 20 Lastwagen kartongefüllt den Ort in Emmen verlassen. Von Smartphones, Tablets über Druckerpatronen, Toner bis zu Staubsauger oder Waschmaschinen - jedes Stück an seinem Platz wartet darauf, abgeholt zu werden.
Unser Karton, wie jeder andere mit einem Strichcode versehen, durchquert die Halle im Schritttempo. Es läuft "I Knew You Were Trouble" von Taylor Swift. Wir ziehen an den Angestellten vorbei, ohne dass diese uns eines Blickes würdigen. Es hat nicht nur eine Rollbahn auf Bodenhöhe, die die gesamte Halle durchläuft, sondern auch eine an der Decke in sieben Metern Höhe. Es sieht aus wie eine bewegliche Skyline. Kleiner Karton, kleiner Karton, grosser Karton, mittelgrosser Karton… Die grosse Halle ist zwischen 7 Uhr morgens bis halb 10 Uhr abends belegt. Dabei arbeiten täglich rund 60 Personen daran, die Schachteln im richtigen Moment an den richtigen Ort zu bewegen.
Tiefe Marge, tiefe Fehlerrate
In meinem Karton hat es noch Platz. Wer wohl zu mir stossen wird? Sanft werde ich weiter geschoben, nur hin und wieder ein kurzer Stopp. Bei jedem Halt wird meine Verpackung gescannt. Jeder Zentimeter meines Weges muss registriert werden. So weiss das System, wann welcher Karton wo ist. Wir werden zudem gewogen, so weiss das System, ob die richtigen Geräte eingepackt sind.
Das Lager, in dem ich verschoben werde, gehört dem schweizerisch-deutschen IT-Distributor Also. Der europaweit tätige Konzern setzte in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 4,5 Milliarden Euro um. Das klingt nach viel, aber der Gewinn betrug in der gleichen Zeitspanne vergleichsweise magere 25,7 Millionen Euro. Die Margen in der IT-Distribution sind traditionell klein. Die Logistik ist in diesem Konzern das Herzstück. Denn jedes Gerät, das falsch geliefert wird, schlägt auf den Gewinn. In meinem Lager liegt die Fehlerrate bei 7 auf 10'000 Bestellungen.
Von der Dunkelheit auf die Strasse
Wir ziehen an schwarzen Regalen vorbei, die bis an die Decke reichen. Darauf türmen sich Kartonschachteln in jeder erdenklichen Grösse. Die Halle erinnert an eine Tiefgarage ohne Autos. Unser Weg führt uns am Ende der Halle nach links in einen kleineren, in sich geschlossenen Raum. Hier arbeiten sechs Personen, ihre Bewegungen sind flink. Wir werden auf die äussere Bahn gelenkt und halten. Es läuft "Stay" von Rihanna. Ein Mitarbeiter scannt uns mit einem Gegenstand, der aussieht wie ein altes Handy. Hinter ihm geht ein Tor auf. Noch mehr Kartons! Doch was ich sehe, ist nur die Spitze des Eisberges. Denn hinter den Garagentoren befindet sich ein sich über zwei Stockwerke erstreckender Schacht, worin sich 20'000 Kleinteile türmen. Nun wird es in meinem Karton eng. Fremde Schachteln werden zu mir gelegt. Hoffentlich geht es bald weiter.
Die Rollbahn führt uns aus dem geschlossenen Raum zurück zur grossen Halle. Aber nur kurz. Plötzlich wirds dunkel. Es geht abwärts.
Wir landen in einem Raum, der aussieht wie die Ankunftshalle eines Flughafens – hier treffen sich Kartons von überall her. Es gibt verschiedene Landebahnen – je nachdem ob ein Karton auf weitere Kartons warten muss, weil die Bestellung gross war, oder einzeln verschickt wird. Bestellungen beim Distributionslager in Emmen sind oft gross. Denn nicht Privatpersonen bestellen hier, sondern Händler oder Reseller, welche die Ware dann an die Endkunden weiterverkaufen.
Nun packt ein Mitarbeiter unsere Schachtel, scannt sie zum letzten Mal, füllt die Leerräume mit Plastik und schliesst sie. Es tönt "If I Lose Myself" von OneRepublic. Ein letztes Rütteln, und schon hör ich das Geräusch der Strasse. (Linda von Burg)

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