"Im PC-Krieg sind die Asiaten klar im Vorteil"

2. Februar 2011, 00:52
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Von Skandalen, Managementwechseln und Rechtsstreitigkeiten gelähmt, verlieren die US-PC-Hersteller in den wichtigen Märkten zunehmend Boden an die asiatischen Rivalen, sagt der Marktforscher Roger L. Kay.

Von Skandalen, Managementwechseln und Rechtsstreitigkeiten gelähmt, verlieren die US-PC-Hersteller in den wichtigen Märkten zunehmend Boden an die asiatischen Rivalen, sagt der Marktforscher Roger L. Kay.
China gewinnt nicht nur im Kräfteverhältnis mit den USA, sondern auch in der PC-Industrie einen immer grösseren Stellenwert, und zusamen mit China auch auch Asien als Ganzes. Derweil seien US-Unternehmen, allen voran HP und Dell, zunehmend in "Managementdramen und Palastintrigen“ verstrickt sind, meint Roger L. Kay, Gründer und Präsident des Beratungs-und Marktforschungsunternehmens Endpoint Technologies Associates in einem Gastbeitrag in 'Bloomberg Businessweek'.
Die traditionelle Rollenverteilung in der PC-Industrie mit den USA als Hort der grossen Marken, Taiwan der grossen Auftragsfertiger und China als günstige verlängerte Werkbank verliere sich langsam. Schliesslich sei Acer heute global auf Platz 2 im PC-Gesamtmarkt und führend bei mobilen Rechnern, Asus, ein anderes Taiwanunternehmen auf Platz sechs. Chinas PC-Riese Lenovo, als heutige Nummer 4 im Weltranking bezeichnet Kay weiterhin als "unbekannte Grösse". Mit 29 Prozent Marktanteil immer noch stark vom Heimatland China abhängig, habe das Unternehmen seit der Übernahme der PC-Sparte von IBM vor nunmehr sechs Jahren wenig getan, die eigene internationale Präsenz weiter zu stärken. Dies könne sich aber ändern, etwa wenn der 2010 von HP übergelaufene "Marketing-Guru" David Roman erst richtig losgelassen und Lenovo mit einem aufpolierten Markennamen den globalen Durchmarsch probe.
Bei der Frage, wer die Gewinner sein werden, tippt Kay auf asiatische Brands, weil sie langfristig im Vorteil seien. HP auf Platz 1 und Dell auf Platz 3 sind seiner Meinung nach viel zu sehr in Management- und Rechtsstreitigkeiten verstrickt, was den Asiaten weitgehend fremd sei. Das habe auch ein "Ausbluten" von hochkarätigen Führungskräften zur Folge. In dem Zusammenhang führt Kay den unschönen Abgang von Ex-HP-Chef Mark Hurd mit anschliessenden Untersuchungen auf FBI- und SEC-Ebene (Börsenaufsicht) als Beispiel ins Feld. HP und Dell haben zwar in den USA immer noch die Hausmacht, Acer bringt es doch nur gerade mal auf halb so viele Marktanteile, Lenovo auf ein Viertel und Asus auf ein Achtel. Dennoch haben die Asiaten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten im letzten Halbjahr unter anderem dank günstiger Einstiegs-Notebooks gut zugelegt. Zusammen mit den inneren Querelen schürt das bei manchen Beobachtern den Verdacht, dass HP und Dell allmählich den Fokus verlieren. So sieht es jedenfalls der Deutschlandchef des Konkurrenten Acer Stefan Engel bezüglich HP. Auf dem Händler-Kick-off 2011 Ende Januar in Hannover stellte er die provokante Frage "HP holt den Apotheker von SAP – Hardware- oder Lösungsfokus?" in den Raum.
In China hat wie gesagt Lenovo mit einem Marktanteil von 29 Prozent immer noch die Hausmacht. HP und Dell belegen Platz 2 und 3, kommen aber jeweils nur auf etwa 10 Prozent. Andere chinesische Marken einschliesslich Acer und Asus aus Taiwan sowie Tongfang und Founder bringen im Reich der Mitte jeweils nur auf einstellige Marktanteile zusammen.
Mit 4,3 Prozent Marktanteil hat Acer in China immer noch einen schweren Stand. Der Versuch der Übernahme von Founder scheiterte an dem Veto der chinesischen Regierung, weshalb sich Acer nun mit einem Vorverkaufsrecht und Marken-Leasing begnügen musste. Trotzdem dürfte dies Acer im Reich der Mitte schon sehr viel weiter bringen, denn Founder verfügt dort über ein breites Netz von Marken-Outlets ähnlich den Apple Stores. Davon spricht Kay aber nicht, auch liefert er keine Erklärung warum Asus in China (wie auch auf Taiwan) mit 6,7 Prozent Marktanteil vor Acer rangiert. Dabei ist dies relativ einfach zu erklären.
Traditionell profitiert Asus von seiner grossen Markenbekanntheit bei Komponenten (Motherboards und Grafikkarten), denn die sind den Chinesen meist wichtiger als das, was auf dem PC oder Notebook steht. Beide Unternehmen haben übrigens Ende 2010 angekündigt, in Chongqing, Provinz Sichuan, weit im chinesischen Hinterland zu investieren, um dort wie die grossen Auftragsfertiger, Foxconn, Quanta und Compal von günstigen Löhnen zu profitieren. Acer,seit 2001 selbst "fabriklos", will in der 30-Millionen-"Lichterstadt", einst Rückzugsgebiet der Kuomintang im chinesisch-japanischen Krieg, laut Kay nicht nur Produktionspartner anziehen, sondern diese auch zum Ausgangspunkt einer neuen China-Offensive aufbauen.
Im "Shift to Mobile Gizmos“ weg vom traditionellen PC, hin zu Smartphones und den von Apples iPad angeführten Tablet-PCs sieht Kay neben der Mac-Company auch wieder die asiatischen Marken Acer, Asus und Lenovo vorn, zumal sie plattformübergreifende Lösungen anbieten können. HP sei dagegen mit der Übernahme von Palm ziemlich angebunden an ein Betriebssystem, schliesslich müsse sich die 1,2-Milliarden-Dollar-Investition auch amortisieren. Asus hat auf der CES schon Tablets mit Windows 7 und Googles Android vorgestellt, Acer will dem in nichts nachstehen und im März 2011 ebenfalls mit Win7-Tablets loslegen. Als neuer starker Player für Tablets und Windows 7 bringt sich auch Samsung ins Spiel. (Klaus Hauptfleisch)

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