Im Reisswolf: Aufgeblasene Smartphone-Apps

13. November 2013, 13:35
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Smartphone-Apps einfach fürs Tablet aufzublasen, macht keinen Sinn, urteilt Kolumnist Peter Wolf.

Smartphone-Apps einfach fürs Tablet aufzublasen, macht keinen Sinn, urteilt Kolumnist Peter Wolf.
Jetzt wo langsam allen Inhaltsproduzenten bewusst geworden ist, dass "mobile" ein ernstzunehmender Display ist und sie auch fleissig begonnen haben, Content dafür zu erstellen, und sich nun freuen, dass die Tablet-Dichte diejenige der Smartphones noch übertrifft, muss man leider sagen: Stopp, zurück auf Feld 1.
Denn genau so wenig wie man Inhalte für Smartphones erstellen kann, indem man das fürs stationäre Internet Gedachte einfach schrumpft, kann man nun dieses Material aufblasen für den grösseren Tablet-Screen. Ein Tablet ist nicht einfach ein grosses Telefon (und damit haben wir die Thematik der "Phablets", einem Formfaktor zwischen PHone und tABLET, noch nicht mal gestreift). Ein Tablet unterscheidet sich auch im Gebrauch stark von einem Handy. Dieses hat man immer dabei und sehr oft sogar in der Hand (daher der Name). Ein Tablet hingegen wird nicht mobil, sondern nomadisch gebraucht. Man macht es sich also irgendwo bequem, bevor man es einschaltet, und benutzt es nicht im Gehen (unter anderem auch, weil man damit nicht telefonieren kann).
Das Handy wird oft einhändig bedient (und mein Daumen ist zum Beispiel nicht so lang, dass er dann ein Element in der oberen Ecke bedienen kann, ohne dass mir das Gerät fast aus der Hand fällt). Das Tablet hingegen wird entweder beidhändig gehalten oder liegt auf einer Unterlage, so dass mit dem Finger weite Strecken zurückgelegt werden können. Hingegen ist hier die ewige Dreherei von Hoch- in Querformat und zurück mühsamer als beim kleinen Screen. Ebenso wichtig: Ein Smartphone ist ein persönliches Werkzeug, ein Tablet jedoch nicht
immer: es kann sein, dass es mit anderen geteilt wird. Deshalb sollte eine Tablet-App auch eine einfache Möglichkeit zum Aus- und Einloggen bieten.
Ich wünsche mir also von Apps zwei Versionen, die miteinander sprechen (sprich: Daten synchronisieren) und die an die jeweiligen Bildschirmgrössen angepasst sind - und damit eben auch an die unterschiedlichen Nutzungssituationen. Was bei nicht angepassten Smartphone-Apps auf dem Tablet am meisten nervt, sind nämlich nicht die aufgeblasenen Pixel, sondern dass sie sich kaum richtig bedienen lassen und den Platz falsch nutzen. (Peter Wolf)
Peter Wolf (49) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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