Im Reisswolf: Die herausgeworfene Hälfte des Werbegeldes

9. Januar 2013, 09:44
  • kolumne
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Unser Kolumnist Peter Wolf wirft einen Blick auf Plakate und darauf angepriesene, aber nicht mobile-taugliche Websites.

Unser Kolumnist Peter Wolf wirft einen Blick auf Plakate und darauf angepriesene, aber fast immer nicht mobile-taugliche Websites.
Zwar hat Abraham Lincoln mal gesagt: "Die Hälfte aller Zitate von mir, die man im Internet findet, ist gefälscht." Trotzdem gilt wohl auch im Zusammenhang mit dem Internet Henry Fords ergoogeltes Zitat: "Ich weiss, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiss nur nicht, welche Hälfte."
Manchmal wird es einem recht einfach gemacht, den rausgeworfenen Teil zu erkennen. Dies vor allem bei Plakaten, die an Orten hängen, wo man nicht immer gerade seinen grossen PC bei sich hat. Wenn sie URLs enthalten, dann führen die fast immer zu Seiten, an denen man mit einem Mobiltelefonbrowser keine grosse Freude hat.
Nun gibt es sicher Leute, die sich etwas notieren, indem sie Schreibwerkzeug und Beschriftbares zur Hand nehmen. Also die Tasche nach einem Kugelschreiber durchsuchen und dann auf die Rückseite eines Billetts oder einer Quittung schreiben. Woraufhin sie die Notiz nie im Leben mehr wiederfinden.
Deswegen benutze ich den Notizblock, den man sowieso immer zur Hand hat: Die Digitalkamera (beziehungsweise das Mobiltelefon, das drumherum verbaut ist). Und da ich das Handy sowieso schon in der Hand habe, würde der Werbetreibende sich gewiss freuen, wenn ich damit nicht nur seine kommunizierte Webadresse festhalten, sondern spontan diese Webseite besuche würde. Vor allem, weil ich später dann doch nicht mehr dran denke.
Dies setzt jedoch eine hohe Frustrationstoleranz voraus. Die wenigsten der im Aussenbereich kommunizierten Webseiten sind mobiletauglich.
Mobil unmobil
Da gibt es zum Beispiel ein Skigebiet, das extra eine Webseite für Schneehungrige eingerichtet hat und ein extra grosses Bild und extra kleine Schrift drauf platziert hat. So dass man nicht mal das Feedbackformular mobil ausfüllen kann, um sie darauf hinzuweisen.
Oder eine Bank, die mit "Jetzt Ihr Portfolio überprüfen" zum Spontanbesuch einer Seite aufruft, bei der man dann auf dem Handy kaum die Navigation antippen, geschweige denn das Kontakt-Formular ausfüllen kann.
"Newsletter abonnieren und profitieren" werde ich ziemlich penetrant vom Schaufenster eines grossen Detailhändlers mit Angabe der Homepage-Adresse aufgefordert, und wenn ich dem Befehl mit meinem Handy nachzukommen versuche, dann lande ich auf einer Seite, bei der ich auch nach intensivem Hereinzoomen und Herumscrollen keine Newsletterabo-Möglichkeit entdecke.
Denkfehler
Manchmal wird einem sogar das Eintippen der URL abgenommen, indem ein QR-Code mit abgedruckt wird, der das Handy dank seiner Kamera direkt zur Webseite durchverbindet. Dumm nur, wenn dieser Code viel zu klein und zuoberst auf einem vorbeifahrenden Tram abgebildet ist. Oder auf einem Plakat prangt, das am Bahnhof hinter den Gleisen aufgehängt ist.
Ich bin ja mal gespannt, was passiert, wenn die ersten Plakate mit NFC-Chips kommen und keiner daran gedacht hat, dass diese von Mobiltelefonen ausgelesen werden. (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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