Im Reisswolf: Die SBB-App (Teil 3)

24. Juni 2015, 06:53
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Kolumnist Peter Wolf und sein Lieblings-Thema: Die SBB-App.

Kolumnist Peter Wolf und sein Lieblings-Thema: Die SBB-App.
Die SBB wollen mich anscheinend loswerden, und zwar mithilfe ihrer iPhone-App, die sie peu à peu am Flicken sind.
Da will ich also ein bisschen Kurzstrecke im Kanton Zürich fahren, nehme die unterdessen upgedatete App zur Hand und tippe ins "Von"-Feld "Pfäffikon". Ins "Nach"-Feld gebe ich "Binz" ein und wähle dann erwartungsfroh "Verbindung suchen". Hier offenbart sich die bislang spürbarste Verbesserung der neuen Version: früher waren die Buttons "Verbindung suchen" und die absolut nicht dorthin gehörende (aber es hatte dort gerade noch so gäbig Platz) Schaltfläche für "Gegenrichtung" so nahe beieinander platziert, dass man sich gerne mal vertippte.
Nach der Aufforderung zum "Verbindung suchen" hält mich die App aber zuerst noch zur Mitarbeit an: Ich muss aus einer 50 Einträge langen Liste den Startort auswählen, denn schliesslich gibt es in der Schweiz mehrere Pfäffikons mit all ihren Haltestellen, bis hin zur verheissungsvollen Destination "Pfäffikon, Polizei [Sehenswürdigkeit]".
Ich deklariere also "Pfäffikon ZH [Bhf./Haltest.]" als meinen Abfahrtsort, die App sagt "laden..." und – schickt mich dann ungefragt ins Pfefferland. Beziehungsweise ins 14 Stunden entfernte "Ostseebad Binz". Statt ins rund 40 Minuten entfernte "Zürich Binz".
Obwohl es in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein auch deren 14 Binzen gäbe, unter denen man mich wählen lassen könnte. Aber die App macht lieber ein Riesentheater um Pfäffikon ZH und Pfäffikon SZ.
Meine Bekannten vermuten zwar, dass die App einen massiv höheren IQ habe als ich ihr zutraue und einen Temperatursensor konsultiere, der einen bei Hitze in die Frische schicke. Oder dass die App meinen Kalender auswerte und mich in die Erholung schicken wolle, denn tatsächlich sei Binz an der Ostsee ein schöner Flecken Erde (oder Wasser). Ich jedoch gestehe der App allerhöchstens Emotionen zu und vermute, dass sie mich loswerden will, weil ich so oft auf ihr herumgehackt habe.
Peter Wolf (50) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.

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