Im Reisswolf: Dumme Konzertkamera

4. Juni 2014, 09:46
  • kolumne
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Wozu braucht man an Konzerten Smartphones? Nicht zum Fotografieren, schreibt Kolumnist Peter Wolf.

Wozu braucht man an Konzerten Smartphones? Nicht zum Fotografieren, schreibt Kolumnist Peter Wolf.
Neulich war ich an einem Konzert und sah wieder eine Vielzahl erleuchteter Hinterköpfe. Das liegt daran, dass Smartphones, wenn es ums Fotografieren geht, halt immer noch Halbschlau-Phones sind. Handykameras ist es nicht möglich, zu erkennen, wann es sinnlos ist, den Blitz einzuschalten.
Ein solches Szenario, in dem wildes Drauflosgeflashe nutzlos ist, könnte zum Beispiel lauten: laut, dunkel, abends, in Kameranähe viele dunkle Objekte und in der Bildmitte etwas Zappliges im gleissenden Licht. Vor allem, wenn in der Agenda noch so etwas steht wie "Konzert" oder "Gig" oder das GPS erkennt, dass man an einem Veranstaltungsort ist.
Den blitzenden Konzertbesuchern muss man zu Gute halten, dass es bei vielen Smartphones gar nicht so einfach ist, den Menüpunkt zu finden, um den Blitz (bzw. den automatischen Blitz) auszuschalten. Sowieso wäre ein Automatikbetrieb sinnvoller, bei dem der Blitz generell ausgeschaltet ist und der User fallweise gefragt wird: "Das Motiv scheint ein bisschen dunkel zu sein – möchtest Du nun den Blitz zuschalten?" Zugegeben, das verlangt dem Benutzer eine Einschätzung der Situation ab – aber sowas war früher durch Aufstecken eines Blitzwürfels auf die Kamera auch nötig.
Dann könnte man das Kameralicht wieder für das gebrauchen, wozu es an Nichtraucherkonzerten am besten taugt: um als Feuerzeug-Ersatz bei Balladen in der Luft hin und her geschwenkt zu werden. (Wer dabei das Flackern der Flamme vermisst: mit entsprechenden Apps lässt sich auch dieses auf den Bildschirm zaubern. Zu finden unter Suchbegriffen wie "Concert Lighter" oder "Feuerzeug".)
Peter Wolf (49) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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