Im Reisswolf: Filmen mit dem Handy

4. September 2013, 06:54
  • kolumne
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Früher gabs noch Filmkameras mit Aufzugschlüssel, erinnert sich Kolumnist Peter Wolf.

Früher gabs noch Filmkameras mit Aufzugschlüssel, erinnert sich Kolumnist Peter Wolf.
Heute musste ich kurz ein Interview filmen und durfte wieder einmal staunen, wie einfach dies dank Smartphones plötzlich ist. Wenn ich daran denke, dass ich als Teenager eine Filmkamera hatte, bei der man zuerst an einem Aufzugschlüssel drehen musste, bevor man einen kurzen Film drehen konnte. Damit der geschnitten werden konnte, musste er erstmal entwickelt werden. Ton gabs auch nicht, der musste separat mit einem Kassettenrecorder aufgenommen werden. Und um das Ganze vorzuführen, musste man das Publikum einladen, den Raum zu verdunkeln, eine Leinwand und einen Projektor aufstellen und hoffen, dass die Technik nicht versagt.
Heute wird mit dem Handy gefilmt. Wenn man es auf ein Stativ montiert, kann man mit der Wasserwaagen-App gerade noch kontrollieren, ob die Kamera waagrecht ausgerichtet ist. Als Mikrophon dient entweder das eingebaute, dasjenige des Kopfhörers oder, wenn es professionell aussehen muss, ein externes für wenige Franken. Das Resultat läst sich ohne Verzögerung direkt auf dem Bildschirm begutachten, Überflüssiges kann mit Bordmitteln weggeschnitten werden und zum Vorführen lädt man das Ganze auf YouTube hoch und lädt das Publikum per Email zur Betrachtung ein.
Obwohl die alten Kassettenrecorder, Analogfotoapparate und Super-8-Filmkameras meist viel schöner aussehen als die entsprechenden Apps auf dem Smartphone, bin ich dann doch froh, dass das Leben dank Digitalisierung einfacher geworden ist. (Im mechanischen Fotoapparat, den ich letztes Jahr aus lauter Nostalgie gekauft habe, ist immer noch der erste Film drin, der kostet ja schliesslich auch richtig Geld, drum wird nur auf den Auslöser gedrückt, wenn das Motiv auch was hergibt). (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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