Im Reisswolf: Heizen mit Paymit

17. September 2015, 13:48
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Für was man Paymit und Co. auch noch brauchen kann.

Für was man Paymit und Co. auch noch brauchen kann.
An einem Workshop durfte ich kürzlich wieder einmal erfahren, dass Konsumenten Apps und Services oftmals nicht so verwenden, wie es vom Erfinder vorgesehen war. Und ich spreche nicht von Leuten, die "Excel" zum Briefeschreiben verwenden oder "Word" für ein Layoutprogramm halten.
Manchmal bietet eine Dienstleistung ein Goodie, an das man gar nicht gedacht hat: so besteht die versteckte Zusatzfunktion bei der Smartphone-App "Paymit" von UBS darin, ein Lieferant von Notizpapier zu sein. Für jede noch so kleine Überweisung verschickt die Bank eine Gutschriftsanzeige auf je einem separaten Blatt (sofern man sich nicht für die elektronische Zustellung der Belege entschieden hat). Auf diese Art hat mir die Bank im einen Monat 6 Blätter hochwertigen Notizpapiers zukommen lassen, im anderen gar 8.
Ich habe aber gehört, dass die UBS die Papier-Funktion dummerweise nicht für ein Feature hält, sondern für einen Bug – und sie abstellen will. Wer also für die kalte Jahreszeit noch ein bisschen Papier zum Einheizen benötigt, sollte nun "Paymit" installieren und seine Freunde bitten, Kleinstbeträge zu überweisen. Jeder Rappen zählt! Fünf Rappen reichen bereits.
"Paymit" hat aber noch eine zweite versteckte Funktion: die Geldüberweisungs-App ist der erste Luxusmessenger der Schweiz! Mit jeder Überweisung lassen sich nämlich auch 160 Zeichen Text und ein Bild übermitteln. Damit daraus aber nicht gerade eine sprudelnde Konversation wird, hat man gänzlich darauf verzichtet, dass der Empfänger direkt antworten kann. Wer sich also bedanken will, muss blechen und seinerseits eine Überweisung tätigen!
Nun kommen wir aber zur oben angesprochenen Zweckentfremdung:
1. Die 160-Zeichen-Limite kann umschifft werden, indem man den Text in Bildform verschickt: Man erfasst also den langen Text zuerst in einer Notizblock-App, erstellt davon einen Screenshot und verschickt den dann als Bildanhang zusammen mit einer 5-Rappen-Überweisung.
2. "Paymit" ist die ideale App für Eltern, die sich beklagen, dass ihre Kinder nie anrufen oder schreiben.
Mittels Überweisung eines netten Betrags an den Sprössling und dem Versprechen, dass sich mehr abrufen lasse durch eine Fünfrappenrücküberweisungsantwort lässt sich blitzschnell eine lebendige Kommunikation in Gang bringen. (Peter Wolf)
Peter Wolf (50) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-foresight im Swisscom-Geschäftsbereich Banking und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.

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