Im Reisswolf: Kontaktloses (und frustreiches) Bezahlen

29. Mai 2013, 09:37
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Mit dem Handy bezahlen wäre eigentlich nützlich, doch in der Praxis funktioniert dies oft nicht, schreibt Kolumnist Peter Wolf.

Mit dem Handy bezahlen wäre eigentlich nützlich, doch in der Praxis funktioniert dies oft nicht, schreibt Kolumnist Peter Wolf.
Abhängig davon, wie man fragt oder wen man fragt, ist es ein unterschiedlich hoher Prozentsatz von Leuten, die gerne in einem Laden mit dem Mobiltelefon würden zahlen können. Sicher aber ist, dass es sehr praktisch wäre, etwas zum Bezahlen zu benutzen, das man bereits in der Hand hat (= Handy), statt zuerst etwas aus einer Geldbörse zu klauben, die irgendwo in einer Tasche steckt.
Bloss sind wir hierzulande noch nicht ganz so weit. Man könnte es jedoch schon mal simulieren, indem man eine funktaugliche Bankkarte auf die Rückseite des Handys klebt, dieses dann an das Kartenterminal im Laden hält und so kontaktlos Kleinbeträge (bis 40 Franken möglich) zahlt. Immerhin habe ich in meinem Portemonnaie schon einige solche Karten. In der Schweiz gibt es zwei Terminals, die mit diesen Funkkarten funktionieren sollten: "Yomani" von Six, bei dem man die Karte links an die Gehäuseseite legen muss, dort wo das PayPass-Logo prangt (nicht sehr praktisch, weil das Terminal dann so aufgestellt werden muss, dass links Luft ist). Sowie "Verdi" von Aduno, bei dem man die Karte zum kontaktlosen Lesen aufs Display halten muss (nicht sehr praktisch, weil man dann die Fehlermeldungen in der Anzeige nicht mehr sieht).
Wer eine hohe Frustrationstoleranz hat, kann nun versuchen, überall per Draufhalten statt Reinstecken zu bezahlen, wo er auf einem Terminal das PayPass-Logo sieht (es besteht aus Funkwellensymbolen und einer Hand, die eine Karte hält). In drei von elf Fällen hat das tatsächlich funktioniert (an einem Bahnhofkiosk zum Beispiel). In den anderen Fällen führt es zu verwirrenden Konversationen mit dem Verkaufspersonal: "Das hat noch nie funktioniert." - "Die haben gesagt, dass man noch Software fürs Kassensystem brauche" - "Sie sind jetzt schon der Dritte, der das erfolglos versucht" - "Haben Sie nicht etwas anderes? Richtiges Geld zum Beispiel?". Laut der (überhaupt nicht mobiletauglichen) Webseite PayPass Locator soll es zum Beispiel in Zürich schon einige Läden geben, in denen man kontaktlos bezahlen kann.
Laut meiner Erfahrung gibt es sehr viele Läden mit Bezahlterminals, auf denen das PayPass-Logo prangt, mit denen man genau dies NICHT tun kann und in denen das Personal nicht geschult ist. Dies ist die beste Methode, Early Adopters zu frustrieren. Und den Wert eines PayPass-Logos zu beschädigen.
Ich verstehe nicht, wieso das Logo nicht zugeklebt wird, solange der Service nicht funktioniert. Richtiges Zahlen mit dem Handy ginge natürlich viel weiter: Man hat dann im Smartphone die Daten verschiedener Kredit- und Debit-Karten gespeichert und wählt jedes Mal, mit welcher man gerade zahlen will. Zusätzliche Sicherheit ergibt sich durch die SIM-Karte, im Verlustfall kann man alles sperren lassen und das Telefon füllt einem gerade noch die getätigten Käufe in die Haushaltsbuch-App ein. Falls man bis dahin nach vielen frustrierenden Erlebnissen in der Startphase dem PayPass-Logo überhaupt noch glaubt. (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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