Im Reisswolf: Mobile-Frust (ohne Lust)

26. März 2014, 14:16
  • kolumne
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Unser Kolumnist Peter Wolf über alltägliche grosse und kleine Frustrationen bei der Mobile-Nutzung aus Anwendersicht.

Unser Kolumnist Peter Wolf über alltägliche grosse und kleine Frustrationen bei der Mobile-Nutzung aus Anwendersicht.
Werbekampagnen mit QR-Codes freuen mich doppelt: Erstens muss ich dann nicht mehr komplizierte URLs abtippen und zweitens signalisiert mir der Effort, dass das Ganze auf mich als Mobile-User ausgerichtet ist. Bloss sollte das Plakat mit dem QR-Code dann nicht hinter einem Gleis oder ganz oben auf einem Tramdach platziert werden, wo ich es höchstens unter Lebensgefahr abfotografieren könnte.
Wenn ich dann schon gewillt bin, mit meinem Smartphone ein solches Angebot zu nutzen, dann sollte ein allfälliges Formular wenigstens mobiletauglich sein, so dass ich auf meinem kleinen Bildschirm nicht entweder nur das Formularfeld oder nur seine Beschreibung sehe.
Sowieso sollte Inhalt nicht so daherkommen, als ob der Entwickler den grössten Computermonitor der Welt gehabt hätte und seine eigenen Produkte nie auf seinem eigenen Handy nutzt.
Andererseits ist mein Handy-Display aber auch nicht derart klein, dass alles abgekürzt werden muss ("Passw.", "Allg.", "Abmel.", "Zur." oder "Wtr.").
Und was soll das mit den Captchas? Sicherstellen, dass ich kein Roboter bin? Einer, der einen Mobile-Browser benützt? Hier würde sowieso nur der Umkehrschluss funktionieren: Wer am Captcha scheitert, muss ein Mensch sein. Vor allem, wenn man auf so einer schlecht mobilisierten Seite nur entweder das Bild oder das Eingabefenster sieht.
Nervig sind Apps mit inkonsistenter Benutzerführung, wenn also ein Mal ein Symbol anklickbar ist und ein anderes Mal ein ähnlich aussehendes nicht klickbar ist. Oder wenn wie beim Windows Phone zwei ähnliche Lupensymbole existieren, die aber unterschiedliche Aktionen auslösen.
Schlecht eingedeutschte Apps sind bestenfalls erheiternd, meist jedoch ärgerlich. Wieso soll ich zum Beispiel meine "Restaurantliste erfrischen"?
Fehlermeldungen sind auch ein Kapitel für sich. Vor allem, wenn sie nichtssagend sind. Oder selber Fehler enthalten. Ein Mobile-User ist in der Regel alleine da draussen, hat nicht noch einen PC zur Hand, mit dem er etwas ausprobieren könnte. Ist das Passwort falsch? Ist die User-ID falsch? Macht man sonst etwas falsch? Hat man überhaupt Internetverbindung? Solche Angaben hülfen, vor allem, wenn man immer und immer wieder alles auf der kleinen Tastatur eintippen muss, auf der man sich systembedingt schon dauernd vertippt. Noch schlimmer wirds dann, wenn die Passwort-Wiederherstellen-Funktion zu einer Seite führt, die auf dem Handydisplay kaum darstellbar ist.
Und trotzdem gebe ich nicht auf und benutze mein Smartphone immer öfter auch dann, wenn ich damit direkt vor dem grossen komfortabel ausgestatteten PC sitze. Weil sich recht viele Dinge halt einfacher vom kleinen Gerät aus bewerkstelligen lassen.
Peter Wolf (49) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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