Im Reisswolf: ÖV stellt der Kunst ein Bein...

26. September 2012, 10:26
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...das andere hat sie sich selber gestellt.

...das andere hat sie sich selber gestellt.
Fast reflexartig halte ich mein Smartphone auf jeden QR-Code, den ich sehe. So also auch im Garten der Foundation Beyeler, wo vor Jeff Koons' gigantischer Blumenskulptur "Split-Rocker" eine Tafel mit einem solchen Code steht.
Im zweiten Anlauf schaffe ich es dann sogar, den QR-Code mit dem richtigen Handy abzuschiessen (die App gibts nicht für Android, steht ja schliesslich auch kleingedruckt da: "Application Split-Rocker pour iPhone et iPad") - und dann die nächste Enttäuschung: Die App ist zu gross, um vor Ort übers Mobilfunknetz heruntergeladen zu werden:
"Dieses Objekt ist über 50MB. Sie müssen zum Laden eine Verbindung zu einem WiFi-Netzwerk herstellen oder iTunes verwenden", protestiert das iPhone.
Wo kriege ich jetzt so auf die Schnelle auf der grünen Wiese ein WiFi her?
Nicht ganz clever, zuerst einen Spontan-Konsumimpuls auszulösen und dann einen Rohrkrepierer zu präsentieren!
Doch halt: Auf der Hinfahrt habe ich gesehen, dass in einigen Basler Drämmli das Internet Einzug gehalten hat. Es gibt einen Pilotversuch, um anschliessend das "schnellste und stärkste Netz" in die Tramwagen einzubauen.
"BVB Free Wlan Pilotversuch", verkündet das Plakat in der Strassenbahn.
Und tatsächlich findet mein iPhone nebst vielen stationären in der Umgebung auch das mobile W-LAN.
Ab jetzt ist alles ganz einfach, verspricht die BVB-Fahrgastinformation:
1. Eingabe der Natelnummer
2. Empfangen des Passwortes per Gratis-SMS
3. Einloggen
4. Surfen
Es ist dann alles doch nicht ganz so einfach...
Der zugeschickte Freischaltcode ist dermassen kompliziert, dass man den Browser verlassen muss, um ihn zu kopieren; und wenn man zurückkommt, muss man wieder von vorne beginnen. Und dann dies: "Sie haben in den letzten 60 Minuten bereits ein Passwort beantragt. Bitte versuchen Sie es später", steht im Display meines iPhones.
Fazit: Ich habe es während der 11 Minuten dauernden Tramfahrt nicht mal geschafft, mich einzuloggen, geschweige denn, die 80,3 MB grosse App herunterzuladen. Und zu Hause habe ich dann eine Woche lang nicht mehr drangedacht.
Mittlerweilen habe ich die App installiert. Auf dem iPhone 4 stürzt sie dauernd ab, auf dem iPad läuft sie, und sie enthält Videos, Fotos, ein selten dämliches Ratespiel und viele nette Informationen, die man gerne gehabt hätte, während man vor dem Kunstwerk stand... (Peter Wolf)
Peter Wolf (47) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.

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