Im Reisswolf: Übel übersetzt

20. März 2013, 14:17
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"4 Kommentars, 3 nützlichs" - App-Entwickler im Sprachenwirrwarr. Ein Beitrag von Kolumnist Peter Wolf.

"4 Kommentars, 3 nützlichs" - App-Entwickler im Sprachenwirrwarr. Ein Beitrag von Kolumnist Peter Wolf.
Ich verstehe Englisch. Und leidlich gut Französisch. Was ich nicht verstehe: Dass App-Entwickler denken, ihre Kunden liebten holprig übersetztes Deutsch.
Ich benutze viel Software auf Englisch. Freue mich aber, wenn eine App lokalisiert ist, wenn sie so im App-Store angepriesen ist und wenn die Benutzerführung auf Deutsch erfolgt.
Wenn man aber nur so tut, als ob alles lokalisiert wäre (wenn auch in schauderhafter Übersetzung: "Liste erfrischen" – kommt wohl von "Refresh"), und mir dann aber Bestätigungsmails für deutschsprachige Restaurant-Rezensionen auf Französisch verschickt, dann irritiert das ziemlich. Der Ärger steigt, wenn dann noch dauernd italienischsprachige Kommentare via E-Mail meine Mailbox verstopfen. Ich kann kein Italienisch! Ich habe meinen "User Generated Content" auf Deutsch abgeliefert! Ich habe eine App heruntergeladen (iTaste), die vorgab, auf Deutsch zu funktionieren!
Schaut man sich dann aber die tatsächlichen Einträge an, wird das Sprachenwirrwarr noch viel ärger:
- Zuerst steht auf Deutsch: "XY hat dieses Restaurant bewertet (...)"
- Dann folgt die tatsächliche Bewertung, hier auf Französisch: "Retrouvailles entre (...)"
- Dann eine Systemmeldung auf Englisch: "Today, 2 hours 3 minutes ago"
- Und schliesslich noch ein bisschen Esperanto: "4 Kommentars, 3 nützlichs"
Auch Apple hat manchmal Mühe beim Lokalisieren und meldet auch schon mal: "Dieser Account ist nur für den amerikanisch Store gültig". Ich habe mich aufklären lassen, dass das Problem darin lag, dass Übersetzer Strings mit Platzhaltern bekommen und 'amerikanisch' ein solcher Platzhalter war, der nachträglich eingesetzt und am Ende nicht grammatikalisch angepasst wird. Was wohl die Übersetzung billiger macht.
Holpriges Deutsch kann aber auch ohne Übersetzung zustande kommen: "Wir können keine Übermittlung an diese Adresse" oder "Bitte geben Sie Postleitzahl Sie wollen bis zur Auslieferung zu" versucht mir zum Beispiel die – mutmasslich deutschsprachige - App eines Zürcher Pizzakuriers mitzuteilen. (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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