Im Reisswolf: Verkachelte Kontakte

7. November 2012, 10:49
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Kolumnist Peter Wolf findet die neuen Windows-8-Kacheln grundsätzlich toll, doch sie haben auch ihre Tücken.

Kolumnist Peter Wolf findet die neuen Windows-8-Kacheln grundsätzlich toll, doch sie haben auch ihre Tücken.
Dynamische Kacheln sind gut und recht, aber sie sollten sich gefälligst auch so bedienen lassen, wie es der Benutzer-Erwartung entspricht. Da kann Microsoft bei Windows 8 noch lange den Menschen in den Mittelpunkt stellen; wenn ich aber auf so einen Menschen klicke und bloss so etwas Langweiliges passiert wie ein Programm, das sich öffnet, dann bin ich enttäuscht. Denn meine Erwartung ist eine ganz andere: Ich will mit diesem bestimmten Menschen interagieren, nicht mit dem Programm, das zufälligerweise seine Zugangsdaten bereithält. Und diese Erwartungshaltung kommt ja nicht von irgendwoher: Diverse Smartphones haben mich nämlich diesbezüglich bereits verwöhnt.
Toll sind sie ja, die animierten Windows-Kacheln, denn sie enthalten aktualisierte Informationen, statt einfach nur immer das selbe Icon anzuzeigen. Speziell die "Kontakte"-Kachel führt mir auf dem Startbildschirm einen bunten Bilderreigen von Köpfen aus meinem Adressbuch vor. Erstaunlich, wen ich alles kenne! Beim Anblick des einen oder anderen Gesichts denke ich dann auch, dass ich mich bei der Person wieder mal melden sollte. Also frohgemut auf das Portraitfoto geklickt (gross genug ist die Kachel ja, dass man was treffen kann) und währenddessen im Geiste schon mal den Begrüssungstext formuliert. Doch Fehlanzeige: Man landet nicht etwa im Adresseintrag der angezeigten Person, sondern in "Kontakte", "alle", bei "A". Wo man dann zuerst mal nach dem Namen suchen muss (wenn man sich daran erinnern kann), und dann erst zur Kontaktaufnahme schreiten kann.
Das wird dann noch lustig werden mit der Consumerization, weil das eben nicht nur "Bring Your Own Device" heisst, nicht nur, dass man mit den gewohnten Geräten und Services arbeiten kann, sondern auch mit den gewohnten Handgriffen und Bedienkonzepten. Dass ein Doppeltipp auf ein Objekt dieses vergrössert. Dass man beruflich nicht nur mit ähnlichen Geräten wie den eigenen arbeiten kann, sondern dass sie sich so einfach bedienen lassen wie die eigenen Gadgets. Weil sich meine handyverwöhnte Erwartungshaltung und die Adressbuchkachel nicht vertragen, mache ich es mir jetzt einfach und grüsse ganz einfach hier alle, die ich kenne oder die mich kennen! (Peter Wolf)
Peter Wolf (47) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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