Im Reisswolf: Was Kamerahandys fehlt

26. Juni 2013, 11:35
  • kolumne
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Kamerahandys sind gut und recht, aber warum hat keines ein Stativgewinde?, fragt sich Kolumnist Peter Wolf.

Kamerahandys sind gut und recht, aber warum hat keines ein Stativgewinde?, fragt sich Kolumnist Peter Wolf.
Handys graben der Kameraindustrie das Wasser ab, und ein Mobiltelefonhersteller ist bereits der grösste Kamerahersteller der Welt, einfach weil jedes Handy eine Kamera eingebaut hat. Nicht alle schiessen wirklich gute Bilder, einige jedoch schon. Trotzdem hat es noch kein Hersteller geschafft, seinem Kamerahandy einen entscheidenden Vorteil einzubauen, den eine Kompaktkamera nach wie vor hat: Das Stativgewinde! (Wir reden hier nicht von Kameras mit eingebautem Handy.) So unscheinbar und low-tech so ein kleines Loch scheinen mag, bietet es doch entscheidende Vorteile: So lässt sich das Gerät sicher irgendwo befestigen, sei dies nun, um Fotos zu machen oder in einem Fahrzeug. Ausserdem kann man dann Bilder mit Selbstauslöser schiessen, statt bei Selbstportraits immer den Arm mit drauf zu haben.
Um ein Handy trotzdem auf einem Stativ befestigen zu können, sind abenteuerliche Konstruktionen nötig, die meisten bedingen, dass man sein Telefon aus der Schutzhülle entfernt, oder es handelt sich um eine Schutzhülle mit Stativgewinde, die dann aber nur für genau dieses eine Handymodell geeignet ist. Nach langem Suchen habe ich wenigstens eine Klemmhalterung gefunden, die für unterschiedlichste Geräte bis 7 cm Breite funktioniert, ohne dass man sie aus ihrer Hülle nehmen muss: Die Joby-Klaue für 40 Franken hält das Handy fest im Griff. Es lässt sich auf ein mitgeliefertes kleines Klappstativ schrauben oder auf ein grosses, professionelles.
Ich habe öfter mit Produktmanagern und Entwicklern darüber gesprochen, weshalb ihre als Handys getarnten Kameras keine Stativgewinde aufweisen. Die häufigste Antwort, unter anderem auch von Sony Ericsson, die damals eine eigene Produktlinie als Cyber-shot-Handys am laufen hatten, lautete: "Kein Platz".
Und wenn wir schon dabei sind: Weshalb hat kaum eines der in Europa erhältlichen Handys ein Loch für eine Trageschlaufe? Man muss ja nicht wie in Asien üblich möglichst viel Kitsch und Blingbling dranhängen, sondern es wäre auch recht praktisch zur Sicherung des Geräts, sei es gegen Diebstahl oder gegen Sturz. Aber ich glaube die Antwort schon zu kennen: Kein Platz. (Peter Wolf)
Peter Wolf (48) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.
Zeichnung: Barbara Donnarumma für inside-it.ch

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