Im Reisswolf: Wie man den User frustriert

10. Oktober 2012, 09:40
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Akkus, die man auf verschiedene Arten in ein Gerät stecken kann, sind praktisch. Dumm nur, wenn bloss eine dieser Möglichkeiten die richtige ist.

Akkus, die man auf verschiedene Arten in ein Gerät stecken kann, sind praktisch. Dumm nur, wenn bloss eine dieser Möglichkeiten die richtige ist.
Das Resultat meines mehrwöchigen Selbstversuchs mit den unterschiedlichsten Sensoren, WiFi-Waagen, Blutdruckmessern und Schlafsensoren: Ich habe zweierlei verloren. Gewicht (vermutlich eher zufällig). Und fast den Glauben an gutes Produkt-Design.
Die Pulsuhr von Scosche zum Beispiel (Foto) muss zum Laden in eine kleine Docking-Station gesteckt werden. In diese kann sie wegen des symmetrischen Designs auf zwei Arten eingesetzt werden: richtig und falsch. Falsch wäre: um 180 Grad verdreht. Merken tut man das erst, wenn man sich anderntags wundert, dass der Akku immer noch leer ist.
Das ist wie bei den Akkus einiger früher Kompakt-Digitalkameras, die man sogar auf vier verschiedene Arten einsetzen konnte, von denen bloss eine einzige richtig war.
Ein schlauer Designer würde dieses Problem auf eine von zwei Arten lösen:
1) Irgendwo eine Ecke abschrägen, so dass man das Produkt nur auf genau eine Art einsetzen kann. Darauf sind sogar die Kamera-Hersteller mit der Zeit selber gekommen. Ganz so schlau ist das aber trotzdem nicht, weil so immer noch eine fünfzigprozentige Chance besteht, den User beim ersten Versuch zu frustrieren.
Also besser so:
2) Einfach auf beiden Seiten der Dockingstation Kontakte anbringen, so dass es absolut egal wird, in welcher Orientierung das Anzudockende aufgesteckt wird. Dieser Mehraufwand dürfte bei zwei Kontaktstiften wohl noch vertretbar sein.
Dass dies möglich ist, beweisen die clevereren Produktentwickler von fitbit: Deren daumengrosser Bewegungssensor fitbit ultra muss auch ab und zu ans Dock und er hat sogar fünf Kontakte. Die Station weist diese Kontakte auf BEIDEN Seiten auf, so dass es gleichgültig ist, in welcher Orientierung der wäscheklammerartige Sensor eingesteckt wird.
Dasselbe Orientierungsproblem hat man auch bei sämtlichen USB-, USB-mini- und USB-micro-Anschlüssen sowie bei den meisten Ladesteckern der Mobiltelefone. Hier immerhin hat Apple dem iPhone 5 nun einen Ladestecker spendiert, der so oder so rum eingesteckt werden kann.
Bravo fitbit. Und bravo Apple - zwar nicht dafür, dass die Steckervielfalt reduziert wird, aber wenigstens der Frust beim Einstecken. (Peter Wolf)
Peter Wolf (47) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Technik. Zuerst eher mechanisch durch Aufschrauben und Nachschauen, später vermehrt auch mit elektronischen Produkten und mit Services. Seit 1985 war er immer wieder mal bei Ringier beschäftigt, zuletzt als Trend Scout und Social Media Evangelist. Heute arbeitet er als Research Analyst bei e-Research und als Kolumnist und App-Tester für diverse Publikationen - unter anderem für inside-it.ch.

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