Impfpflicht wird in Schweizer Unternehmen klar abgelehnt

6. September 2021, 13:14
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Die Ergebnisse unserer Leserumfrage zeigen aber, dass die Meinungen bei Angestellten gespaltener sind als bei Unternehmens­verantwortlichen.

Vergangene Woche haben wir eine spontane Online-Umfrage unter unseren Lesern durchgeführt. Wir fragten sowohl Angestellte als auch Unternehmensverantwortliche danach, was sie von einer Einführung einer Impfpflicht in ihrem Unternehmen halten würden.
Wir haben spezifisch nach einer Impfpflicht, und nicht "nur" nach einer Zertifikatspflicht (Geimpft, Genesen oder Getestet) gefragt, weil die Impfpflicht wohl die wesentlich kontroversere Massnahme wäre.
Ein Ergebnis ist klar: In der Schweiz werden wohl nur wenige Unternehmen dem Beispiel grosser Tech-Konzerne wie Google, Facebook oder Microsoft folgen und ihre Angestellten nur in die Büros lassen, wenn sie geimpft sind. Unter den Unternehmensleitern, welche die Umfrage beantworteten, planen gegenwärtig nur 13% eine Impfpflicht, 87% tun dies nicht. Und auch falls sich im Winter die Situation weiter verschlechtern würde, würde nur ein Drittel diese Massnahme in Erwägung ziehen.
Unter den Begründungen für diese Haltung überwiegt das Recht auf Selbstbestimmung für Angestellte. "Impfen ist ein persönlichen Entscheid und hat mit einem Eingriff in den Körper zu tun. Ich zwinge meine Mitarbeiter ja auch nicht zu einem Tattoo oder Piercing!". "Impfen basiert auf Freiwilligkeit und jeder hat das Recht über seinen Körper selbst zu bestimmen – dies ist eines der wichtigsten Rechte." "Zwang schafft gesellschaftliche Trennung." Dies sind drei Aussagen, die stellvertretend für viele stehen.
Aber es gibt auch Gegenstimmen. Es gehe um den "Schutz für geimpfte Arbeitnehmer und die Sicherstellung der Betriebsfähigkeit", schreibt zum Beispiel jemand, der sich bei einer Verschlechterung der Lage eine Impfpflicht vorstellen könnte. Und jemand mit derselben Haltung findet: "Es gab in früheren Zeiten auch Impfzwänge wie bei Polio. Der wirtschaftliche Nutzen überwiegt bei weitem."

Auch Angestellte mehrheitlich gegen Zwang

Von allen Umfrageteilnehmern, die als Arbeitnehmer antworteten, gab nur eine einzige Person an, dass es in ihrem Unternehmen bereits eine Impfpflicht gebe. 29% glauben, dass diese Massnahme irgendwann eingeführt werden könnte.
In ihrer Haltung zur Impfpflicht sind die Arbeitnehmenden deutlich gespaltener als die Unternehmensleiter. 53% der Umfrageteilnehmer würden eine solche Pflicht klar ablehnen und erklären, dass sie sich deswegen sogar einen neuen Job suchen würden.
Dem gegenüber stehen aber immerhin 37%, welche die Massnahme begrüssen und 10%, welche sie zwar nicht befürworten aber schlucken würden.
Werfen wir auch hier einen Blick auf die Begründungen. "Freiheit und Selbstbestimmung" beispielsweise stehen "Ich würde mich so sicherer fühlen" gegenüber. Bei den Gegnern wird immer wieder die Privatsphäre angesprochen. "Diese Massnahme ist im Vergleich zur Schwere dieser Krankheit völlig übertrieben", "Ist aus meiner Sicht gesetzeswidrig", "Die aktuelle Gesetzeslage ist nicht ohne Grund so ausgelegt, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber keine Auskunft zu Krankheiten etc, geben muss. Sonst kommen wir dann irgendwann in den Zustand wo auch andere Impfungen oder vererbliche Krankheiten oder Risikosportarten zum Kriterium werden..."
Die Befürworter dagegen verweisen oft auf die Verantwortung der Nicht-Impfwilligen gegenüber anderen Personen. "Es gibt keine plausible Begründung nicht zu impfen. Warum müssen Geimpfte sich den nicht geimpften anpassen? Wir haben lange genug auf sehr vieles verzichten müssen", ist eine Stimme eines Befürworters. "Die Impfung schützt uns alle, insbesondere diejenigen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen können, und vermindert die Gefahr von Mutationen" eine weitere.
Eine weitere häufige Antwort war übrigens, dass man zwar selbst geimpft sei, aber gegen einen Zwang für andere sei.

Fazit

Wie kann man diesen Ergebnissen entnehmen? Es handelt sich um eine Online-Umfrage ohne Anspruch auf Repräsentativität. Trotzdem glauben wir, dass sie gute Hinweise zur Stimmung unter Arbeitgebern und Arbeitnehmern gibt.
Die Umfrage hat wohl etwas mehr klare Impfgegner zu einer Beantwortung angestachelt, als Impfbefürworter. Wir glauben nicht, dass in der Realität die Hälfte aller Arbeitnehmer kündigen würde, wenn ihr Unternehmen die Impfpflicht einführen würde. Klar ist trotzdem, dass sich Haltungen diametral gegenüber stehen. Arbeitgeber, die unter gewissen Umständen eine Impfpflicht einführen würden, dürften mit einigem Widerstand unter ihren Arbeitnehmern rechnen müssen.

Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und dem 9. September 2021 auf inside-it.ch und inside-channels.ch durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 107 Personen. 16 davon beantworteten nur die Fragen für Unternehmensleiter, 32 nur die Fragen für Angestellte. 59 beantworteten beide Teile der Umfrage.

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