"In der Schweiz gibt es keinen Gratiskäse"

29. April 2010, 12:16
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Russische Hacker halten Schweizer E-Banking-Systeme für zu kompliziert. Und andere Erkenntnisse aus dem MELANI-Halbjahresbericht.

Russische Hacker halten Schweizer E-Banking-Systeme für zu kompliziert. Und andere Erkenntnisse aus dem MELANI-Halbjahresbericht.
Informationsdiebstahl, politisch motiviertes Hacking sowie Erpressung durch DDoS-Attacken sind die im zweiten Halbjahr 2009 immer häufiger aufgetretenen kriminellen Taten im Internet. Dies stellt die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) in ihrem Bericht zum zweiten Halbjahr 2009 wurde.
Einen Rückgang verzeichnete MELANI bei den Angriffen auf die E-Banking-Systeme der Schweizer Banken. Zwar gäbe es immer wieder einzelne Versuche, die Tendenz sei momentan jedoch rückläufig. Die Banken hätten ihre Sicherheitslösungen ausgebaut, so dass das Interesse der Kriminellen schwinde, Schweizer Konten zu kompromittieren. In verschiedenen russischen Untergrundforen würde inzwischen auch ausdrücklich davon abgeraten, die Schweiz bei solchen Angriffen miteinzubeziehen. "In der Schweiz gibt es keinen Gratiskäse. Es ist nicht leicht, mit den Daten dort zu arbeiten, weil es SMS TANs und PINs für die TANs gibt", heisst es in einem solchen Forum, wie es im Bericht heisst.
Immer häufiger werde das Internet aber für politische, sportliche oder religiöse Proteste missbraucht, warnt der Bericht. Dabei würden die Webseiten von Organisationen gehackt, verunstaltet und mit politischen oder religiösen Aussagen versehen. Im Nachgang der Abstimmung zur Anti-Minarett-Initiative wurden Tausende von Schweizer Webseiten gehackt.
Mit DDoS-Angriffen wiederum würden die Täter versuchen, entweder Geld zu erpressen oder eine Aktivität des Angegriffenen zu erzwingen. Im letzten Jahr versuchten so Unbekannte mit einer DDoS-Attacke gegen Swisscom zu erreichen, dass diverse Webseiten von Anbietern aus der Erotikbranche vom Netz genommen werden.
Es sei nicht nur deshalb enorm wichtig, persönliche und vertrauliche Daten auch entsprechend zu schützen. Gemäss MELANI sind die besten Massnahmen, sich vor cyberkriminellen Angriffen zu schützen, nach wie vor die Aktualisierung der Computersysteme durch regelmässige Updates sowie die Sensibilisierung der Nutzer. (bt)

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