In welche OS-Fluten rettet sich Nokia?

10. Februar 2011, 13:38
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Dass der neue Nokia-Chef Stephen Elop angesichts schwindender eigener und Symbian-Marktanteile an eine Kooperation mit Microsoft denkt, ist kein Zufall, war er doch bis vor weniger als fünf Monaten bei dem Softwareriesen beschäftigt. In einem sogenannten "Brandbrief" hat der 47-jährige Kanadier Nokia nun mit einem Arbeiter auf einer brennenden Bohrinsel verglichen, der vor der Wahl steht, in der Feuersbrunst zu sterben oder sich durch einen Sprung von 30 Metern in die eisigen Fluten zu retten. "Nokia, unsere Plattform brennt", hat Elop in dem internen Memo mehrmals gewarnt, aber schliesslich auch die tröstenden Worte gefunden, dass der Mann sich durch den Sprung tatsächlich retten konnte.
Es wird schon länger erwartet, dass Nokia sich bei neuen Smartphones von Symbian als Betriebssystem verabschieden wird und eine Partnerschaft mit Microsoft oder Google anstrebt. Sollten die Gespräche mit Microsoft noch rechtzeitig fruchten, rechnen Insider damit, dass Elop den Deal morgen, am 11. Februar 2011, auf der Generalversammlung in London bekanntgeben wird. Wie das 'Wall Street Journal' aus internen Quellen erfahren haben will, ist aber auch eine Zusammenarbeit mit Google für das Betriebssystem Android noch nicht vom Tisch. Auf jeden Fall wird Elop auf der Investorenkonferenz massive Massnahmen ankündigen, um den schleichenden Untergang des Handymarktführers abzuwenden. Die vom 'Journal' nicht genannte Quelle aus dem Unternehmen sieht dabei mehrere Top-Manager bis hin zur obersten Führungsebene schon über die Klinge springen.
Elop selbst sieht Nokia indes von allen Seiten belagert. Im High-end- und Midrange-Bereich gewinnen Apples iPhone und Smartphones auf Basis des Google-Betriebssystems Android zunehmend die Oberhand, vor allem in den so wichtigen Märkten wie Nordamerika. Auch im günstigeren Low-end, für die Finnen traditionell eine stark wachstumsträchtige Cash-Cow in Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens, ist Nokia durch günstigere Konkurrenzunternehmen zunehmend unter Druck geraten. Das hat mit dazu beigetragen, dass das Unternehmen im vierten Quartal 2010 einen Gewinneinbruch von 16 Prozent vermelden musste. Seit Elop im September 2010 an die Spitze geholt wurde, hat sich die Position von Nokia noch mehr verschlechtert. Produktankündigungen wurden verschoben, das High-End-Flaggschiff N8 hatte Akkuprobleme, der freie Musik-Download, mit dem das Unternehmen Apples iTunes Konkurrenz machen wollte, wurde eingestellt. Schliesslich hat Google mit Android im vierten Quartal 2010 Nokia bei Smartphone-Software noch die Krone abgeluchst.
Solange sich das finnische Unternehmen keinem anderen Betriebssystem öffnet, bleibt ihm nur die Wahl, zusammen mit Intel an der Weiterentwicklung von MeeGo zu arbeiten. Das neue Smartphone OS ist aber noch so gut wie unbekannt, während die Betriebssysteme von Apple, Google und RIM (Research in Motion) schon stark etabliert sind. In einem offenen Brief vom 2. Februar hat Adnaan Ahmad, Analyst der Hamburger Berenberg Bank, MeeGo als "den grössten Witz der IT-Industrie" bezeichnet und Elop ans Herz gelegt, eine Kooperation mit seinem ehemaligen Arbeitgeber Microsoft einzugehen. Windows Phone 7 im High-end könnte Nokia helfen, Kosten zu sparen und solche Geräte dann auch im mittleren Preissegment anzubieten, während Android dem Einstiegssegment vorbehalten bleiben soll, so die Empfehlung des Beraters. Wie das 'WSJ' jetzt eine nicht namentlich genannte Person aus dem Umfeld der Gespräche mit Microsoft zitiert, könnte Nokia mit Windows Phone 7 Zeit gewinnen, bis sich etwas Besseres fände. An MeeGo wolle der finnische Hersteller aber festhalten. (Klaus Hauptfleisch)

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