In Zug startete die Block­chain-Abstimmung

26. Juni 2018, 07:44
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In der Stadt Zug startete gestern die schweizweit erste Testabstimmung auf Basis der Blockchain.

In der Stadt Zug startete gestern die schweizweit erste Testabstimmung auf Basis der Blockchain. Am E-Voting-Projekt sind neben der Stadt die IT-Firma Luxoft und das Departement Informatik der Hochschule Luzern (HSLU) beteiligt. Noch bis zum 1. Juli können Inhaber einer E-ID der Stadt Zug an der Abstimmung teilnehmen.
Derzeit werden in der Schweiz verschiedene E-Voting-Systeme getestet. Im Gegensatz zu diesen werde aber in der Stadt Zug nicht über einen zentralen Server abgestimmt, sondern via Blockchain über mehrere Computer verteilt, so eine Medienmitteilung der Stadt Zug.
"Vielleicht ist ja die Zuger Lösung das Ei des Kolumbus", sagte der Zuger Stadtpräsident, Dolfi Müller (SP), am Montag vor den Medien und verwies auf die Kritiker, die die elektronische Stimmabgabe auf den Plan gerufen hat. Diese befürchten, dass E-Voting-Systeme Ziele von Hackerangriffen und ein grosses Sicherheitsrisiko seien. Die Blockchain-Abstimmung sei vielleicht "das Beste, was es im Bereich E-Voting derzeit gibt", sagte Müller. Durch die dezentrale Datenbank seien Missbrauch und Hacking viel schwieriger und die Daten würden bestmöglich verschlüsselt und gespeichert. Mit der Testabstimmung wollen die Projektpartner eben diese Sicherheitsaspekte wie Persönlichkeitsschutz, Abstimmungsgeheimnis, die Unveränderbarkeit der Abstimmung sowie die Prüf- und Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse überprüfen.
Die Auswertung erfolge in den nächsten zwei Monaten. Über die Resultate wollen die Projektpartner nach den Sommerferien informieren.
Die Koordination des Projektes lag bei der HSLU. Die Hochschule habe den Kontakt zwischen der Stadt Zug und der Firma Luxoft hergestellt, die E-Voting-Infrastruktur aufgesetzt und schliesslich die von Luxoft kreierte Blockchain-Software in diese Infrastruktur eingefügt. Die E-Voting-Plattform von Luxoft soll gemäss den Angaben des Unternehmens in Zukunft als Open-Source-Software veröffentlicht werden.
Interessierte haben weiterhin die Möglichkeit, über die Webseite der Stadt Zug und die Installation der uPort-App ihre digitale ID zu bekommen und an der Konsultativabstimmung teilzunehmen. Mit einer Beglaubigung bis am 29. Juni besteht auch für Neuregistrierte die Möglichkeit, an der Abstimmung bis am 1. Juli um 23.59 Uhr teilzunehmen.
Diese ist denn auch nicht rechtlich bindend. Die Fragen, die den Teilnehmenden gestellt werden, wurden von der Stadt erfunden und können mit Ja oder Nein beantwortet werden.
Die digitale ID der Stadt Zug wurde im vergangenen November eingeführt und befindet sich ebenfalls noch in der Pilotphase. 240 Bürger verfügen über eine Zuger-E-ID. Neben der E-Voting-Möglichkeit werden auch andere Anwendungsfälle getestet wie etwa das Ausleihen von Stadtvelos oder von Büchern in der Bibliothek. (kjo/sda)

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