"In zwei Jahren wird das Rechenzentren-Sterben beginnen"

2. März 2010, 10:32
  • rechenzentrum
  • ibm
  • schweiz
  • axa
image

IBM eröffnet neues unterirdisches Rechenzentrum mit 1100 Quadratmetern Fläche in Winterthur – und prophezeit RZ-Konsolidierung in der Schweiz.

IBM eröffnet neues unterirdisches Rechenzentrum mit 1100 Quadratmetern Fläche in Winterthur – und prophezeit RZ-Konsolidierung in der Schweiz.
Die Einladungen sind verschickt und bei IBM laufen derzeit die letzten Tests vor der offiziellen Einweihung des hochsicheren (Level 3++) Rechenzentrums am 18. März. Mit zunächst 700 von total möglichen 1100 Quadratmetern geht das unterirdisch gebaute RZ dann in Betrieb. Damit erweitert "Big Blue" mit Investitionen von 20 bis 30 Millionen Franken - eine genaue Bauabrechnung liegt noch nicht vor - seine RZ-Fläche in der Schweiz auf insgesamt rund 5000 Quadratmeter und baut kräftig an der sich abzeichnenden RZ-Blase in der Schweiz mit.
Die Stromversorgung des RZs an der Theaterstrasse in Winterthur ist für einen Verbrauch von 3,1 Megawatt ausgelegt (effektiv 2,8 MW) und über zwei Unterwerke des EW-Winterthur abgesichert. Zur Belegungsquote und zum Kundenkreis des neuen RZ wollten sich die Verantwortlichen nicht äussern, nur "voll ausgelastet sind die 700 Quadratmeter bisher noch nicht", liess sich Jörg Schanze, Verantwortlicher für den Datacenter-Bau bei IBM Schweiz, gestern auf einer Presseveranstaltung immerhin entlocken. Laut Schanze nutzen ausser der Axa Winterhur rund 30 Kunden derzeit die RZ-Kapazitäten in Winterthur. Das RZ wurde in rund drei Jahren gebaut: 2007 wurde ein Vorprojekt erstellt, 2008 - in der sich abzeichnenden Finanzkrise - wurde der Finanzantrag genehmigt und 2009 das Projekt realisiert.
Wichtig sei, so Schanze weiter, dass der neue Standort künftig zu den europaweit 23 strategisch wichtigen Datacenter-Standorten von IBM gehören wird und damit auch neue international tätige kleine und grosse KMU-Kunden bedienen könne. Für Grosskunden sei der neue Standort aber zu klein. IBM betreibt heute 110 RZ in 22 Ländern Europas, wovon 50 direkte Kunden-RZ sind.
Obwohl die Spezialisten gestern nicht müde wurden, den RZ-Standort Schweiz zu loben (10 bis 20 Prozent tiefere Strompreise als in Europa, beste Infrastrukturen, politische und rechtliche Sicherheit, billiger RZ-Bau trotz hoher Löhne, interessante Steuermodelle und bestens ausgebildete Mitarbeiter), liess Schanze keinen Zweifel daran, dass sich in rund zwei Jahren in der Schweiz eine RZ-Blase gebildet haben wird. Wenn die im Verlaufe des letzten Jahres angekündigten RZ-Kapazitäten von über 50'000 Quadratmetern Fläche realisiert werden, liege das RZ-Angebot in der Schweiz 2012 bereits über dem Bedarf, stellte er klar. Da viele auch globale RZ-Anbieter die Vorteile des Standortes Schweiz begriffen hätten und auf den Geschmack gekommen seien, werde in absehbarer Zeit unweigerlich eine Konsolidierung einsetzen. Überleben würden nur die Anbieter, die mehr zu bieten haben als reines Housing: "Es wird ein RZ-Sterben stattfinden", so Schanze.
Jürg Volkart, Datacenter Operating Manager bei IBM, sagte: "Qualität und Preis der Services werden künftig entscheidend sein." Blosse Kollokations-RZ würden einem klassischen Schweinezyklus wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase zum Opfer fallen. Gerade weil IBM auf höchste Sicherheitsansprüche setze und diverse zusätzliche Services anbiete, werde sich auch der vergleichsweise teure unterirdischen Bau des RZ an der Theaterstrasse auszahlen, gab sich Volkart optimistisch. (Volker Richert)

Loading

Mehr zum Thema

image

Exklusiv: Prime Computer vor dem Aus

Der St.Galler Assemblierer stellt seinen Betrieb bereits per Ende Oktober ein. Unseren Quellen zufolge wird seit Frühjahr über die Auflösung von Prime Computer spekuliert.

aktualisiert am 21.9.2022 2
image

Nationalrat stellt sich hinter digitale Verwaltung

Nach dem Ständerat heisst auch der Nationalrat das Bundesgesetz zur Digitalisierung der Verwaltung deutlich gut. Er will aber Anpassungen.

publiziert am 21.9.2022
image

Parlament will einen elektronischen Impfausweis

Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat einem Nachfolgeprojekt zu "Meineimpfung.ch" zugestimmt. Jetzt soll ein neues digitales Impfbüchlein kommen.

publiziert am 20.9.2022
image

Daten entwendet: Diakonissenhaus Riehen bestätigt Cyberangriff

Nach der Ransomware-Attacke auf das Basler Klosterdorf sind Dateien veröffentlicht worden. Das Diakonissenhaus schildert uns jetzt die Auswirkungen des Angriffs.

publiziert am 19.9.2022