Industrie 4.0: Maschinen sollen gemeinsame Sprache sprechen

7. April 2015, 12:37
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Künftig sollen Maschinen und die Teile, die sie bearbeiten, Informationen austauschen können.

Künftig sollen Maschinen und die Teile, die sie bearbeiten, Informationen austauschen können. Damit das funktioniert, müssen allerdings alle die gleiche Sprache sprechen. Der Autozulieferer und Technikkonzern Bosch will bei der digital unterstützten Produktion - der sogenannten Industrie 4.0 - eine Vorreiterrolle einnehmen.
Der Konzern wolle vor allem die Ausarbeitung notwendiger Standards vorantreiben, sagte Rainer Kallenbach, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Bosch Software Innovations, der Deutschen Presse-Agentur. Er warnte aber davor, "die erstbeste Technologie" zu verwenden.
Standards gelten als Grundvoraussetzung für Industrie 4.0. Darunter versteht man die Digitalisierung der industriellen Fertigung. Indem Produktionsteile mit Sensoren und Chips ausgestattet werden, können sie Informationen an Maschinen oder Zulieferer schicken. Auf diese Weise soll die Produktivität gesteigert werden. Die Standards sind gewissermassen die Sprache, mit der Chips und Maschinen kommunizieren.
Auch Cisco, Hitachi und IBM arbeiten an neuem Standard
Doch ob diese Sprache am Ende tatsächlich von Bosch geprägt wird, ist noch offen. In Deutschland hat sich die Plattform Industrie 4.0 gebildet, um die Standards zu erarbeiten. In den USA haben Cisco, General Electric und IBM sich mit ausländischen Unternehmen wie Hitachi und Huawei zum International Industrie Consortium (IIC) zusammengeschlossen.
Bosch-Chef Volkmar Denner warnte jüngst: "Das Konsortium zielt auf schnelle Ergebnisse und will dabei ganz pragmatisch auf Bestehendem aufbauen." Neben Bosch ist auch Siemens im IIC vertreten.
Bosch-Manager Kallenbach sieht die Initiativen nicht als Konkurrenten. Das IIC sei sehr viel breiter aufgestellt und habe nicht nur industrielle Fertigung, sondern auch das Internet der Dinge im Blick, in dem einfache Alltagsgegenstände kommunikationsfähig sein sollen. "Beide Zielrichtungen sind attraktiv", sagte er.
Der Technikkonzern hatte angekündigt, am ersten aus Europa getriebenen Projekt des IIC teilzunehmen. Dabei geht es darum, die Position von Akkuschraubern in einer Werkshalle zu bestimmen. Auf diese Weise soll automatisch das richtige Drehmoment für die jeweilige Aufgabe eingestellt werden. Der Vorteil: Sicherheitsrelevante Schrauben würden dann immer mit der genau vorgeschriebenen Kraft angezogen.
Für Schweizer KMU noch kein Thema
Der Schweizer Werkplatz hat gemäss einer im Vorjahr publizierten Studie des Beratungsunternehmen Deloitte die Transformation zur Industrie 4.0 erst ansatzweise erfasst. Während sehr grosse und multinationale Konzerne dem Thema bereits jetzt eine Bedeutung beimessen, ist für kleinere und mittelgrosse Unternehmen das Thema kaum relevant.
Allerdings sehen die Autoren der Studie gerade bei den KMU grosses Potenzial, vor allem in den Branchen Maschinen -und Elektroindustrie und Chemie. (sda/mim)

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