Industrie 4.0? "Noch nie gehört!"

3. Dezember 2014, 11:03
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Handelt sich die Schweiz einen massiven Rückstand ein? Eine Untersuchung von CSC zeigt, dass man in der Schweiz noch kaum weiss, was "Industrie 4.0" ist. Anders ist die Situation in Deutschland.

Handelt sich die Schweiz einen massiven Rückstand ein? Eine Untersuchung von CSC zeigt, dass man in der Schweiz noch kaum weiss, was "Industrie 4.0" ist. Anders ist die Situation in Deutschland.
Die erste Industrielle Revolution begann Mitte des 18. Jahrhunderts: Tierische und menschliche Kraft wurde durch Dampf und Wasserkraft ersetzt. Die zweite setzte etwa 1870 mit der Industrialisierung (Chemie, Fliessband, ...) ein, die Dritte war dann die Computerisierung der Produktion (Roboter, Just-in-Time, ERP, ...). Und nun folgt eben die vierte, "Industrie 4.0" genannte, Industrielle Revolution: In Zukunft wird jedes Produkt wieder einzeln - und trotzdem hochautomatisiert - hergestellt. Das US-Beratungshaus CSC stellt in einer schönen Grafik die wichtigsten Merkmale von "Industrie 4.0" dar: Maschinen kommunizieren mit Maschinen, externe Daten werden in die Produktion einbezogen, Produkte werden individuell und "on demand" produziert. Man spricht auch von der "vernetzten Fabrik".
Trend trifft Schweizer Industrie unvorbereitet
CSC hat mit einer Online-Umfrage in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht, wie gut Unternehmen und Manager auf den Mega-Trend "Industrie 4.0" vorbereitet sind. 900 Manager, davon 150 aus der Schweiz, nahmen an der Umfrage teil. 31 Prozent der Teilnehmer arbeiten in der Industrie, zwölf Prozent in der IT-Branche.
Das Resultat der Untersuchung ist deutlich: Die grosse Mehrheit der ManagerInnen in der Schweiz kennt nicht mal den Begriff "Industrie 4.0". 59 Prozent der Teilnehmer aus der Schweiz sagten, sie hätten den Begriff noch nie gehört. Und während immerhin 32 Prozent der deutschen Entscheidungsträger nicht nur das Wort kennt, sondern auch von den damit verbundenen Veränderungen gehört haben, trifft dies in der Schweiz auf nur neun Prozent zu. Trotzdem glauben mehr als die Hälfte (55 %), dass die Entwicklung in Richtung "vernetzte Fabrik" sehr wichtig oder eher wichtig sei.
Und nur sieben Prozent (!) der ManagerInnen in der Schweiz glauben, ihr Unternehmen sei sehr gut für den Trend "Industrie 4.0" aufgestellt. Immerhin 31 Prozent finden, ihr Unternehmen sei "eher gut" parat, 40 Prozent sagten, "eher schlecht". 16 Prozent sagten, sie wüssten die Antwort nicht.
In Deutschland sind die Verhältnisse nicht ganz so krass. 10 Prozent glauben, ihr Unternehmen sei sehr gut vorbereitet, immerhin 41 Prozent sagten, es sei "eher gut" vorbereitet. Knapp die Hälfte (51 Prozent) der deutschen Manager glauben also, ihre Firma sei irgendwie ready für den nächsten grossen Trend. In der Schweiz sind es nur 38 Prozent.
Oder doch nur ein Hype?
Aus der Schweiz haben 150 EntscheidungsträgerInnen an der Umfrage teilgenommen, davon nur etwa 50 aus der Industrie. Die Umfrage könnte also bei einem besseren Sample anders ausfallen. Andererseits haben auch wir den subjektiven Eindruck, dass das Thema "Industrie 4.0" in Schweizer Medien seltener als in Deutschland vorkommt.
Die gute Frage ist nun, ob Industriemanager in der Schweiz drauf und dran sind, einen Mega-Trend zu verpassen, oder ob sie einfach eine gesunde Skepsis gegenüber Hypes haben. Zu beachten ist zudem, dass der Begriff "Industrie 4.0" in Deutschland auch von der Politik bewusst gefördert wird. So gibt es die "Plattform Industrie 4.0" von verschiedenen Wirtschaftsverbänden, unter anderem dem IT-Verband Bitkom. (hc)

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