Infor reborn?

13. Oktober 2011 um 13:40
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Das neue Management von Infor, immerhin weltweit drittgrösster Hersteller von Business-Lösungen, distanziert sich von der Vergangenheit des Konzerns. Kunden reagieren wohlwollend skeptisch.

Das neue Management von Infor, immerhin weltweit drittgrösster Hersteller von Business-Lösungen, distanziert sich von der Vergangenheit des Konzerns. Kunden reagieren wohlwollend skeptisch.
Dass seit letzten Dezember neue Leute entstanden ist, präsentiert sich in einem neuen, Oracle-ähnlichen Look in Rot und Schwarz und den Managern, die sich gestern vor die deutschsprachige Kundschaft stellten, merkte man die Vergangenheit bei Oracle an. Übertriebene Bescheidenheit ist ihre Sache nicht.
Zudem wurden alle Lösungen aus dem grossen "ERP-Zoo" des Konzerns umgetauft. Das gute alte Infor.COM heisst nun zum Beispiel Infor10 ERP Compact. Doch die neuen Produktenamen sind noch nicht überall durchgedrungen: Auf diversen Folien war das Produkt mit einer Mischung aus neuem und altem Namen bezeichnet.
Früher hätten Kunden geglaubt, Infor lebe von den Wartungsgebühren der zusammengekauften ERP-Lösungen, sagte Infor-Kadermann Stephan Scholl in Frankfurt. Unter dem neuen Management investiere Infor nun viel mehr in die Weiterentwicklung der Software und habe 400 Software-Ingenieure angestellt. "Wir investieren in Upgrades und in Neuentwicklungen und haben nun mehr Entwicklungskapazitäten auch für die einzelnen Applikationen", sagte Scholl, der betonte, dass nun auch Blending (ERP für Prozessindustrie) und Infor.COM (ERP für kleinere diskrete Hersteller) weiterentwickelt würden. Damit bestätigte Scholl indirekt aber genau jene Kritik, die man früher so weit von sich gewiesen hat. Nämlich dass Infor eben doch von den Wartungsgebühren der zusammengekauften ERP-Lösungen gelebt hat und zu wenig Mittel in die Weiterentwicklung der Lösungen investiert hat.
Wirklich alles anders?
Ansonsten hatten wir vieles von dem, was Scholl sagte, schon mal gehört, nämlich vor drei Jahren vom später geschassten CTO Bruce Gordon: Infor bündelt die vielen Anwendungen in industriespezifische Pakete, entwickelt ein vereinheitlichtes, rollenbasiertes User-Interface und unterlegt die Pakete mit einer auf Standards (Apache, XML) aufgebauten Middleware. Dazu kommen eine Reihe von Umsystemen, bei denen Infor stark ist, so etwa für EAM (Enterprise Asset Management) oder Beschaffungsmanagement (SCM).
Skepsis und Treue
Die anwesenden Infor-Anwender, viele davon Informatik-Chefs von typischen deutschen oder schweizerischen KMUs aus dem Umfeld der Auto- und Maschinenindustrie, hörten sich die Botschaften des neuen Infor-Managements mit einer gewissen Skepsis an. Die Gretchenfrage, ob der Konzern tatsächlich in der Lage sein wird, alle der über 30 zugekauften Business-Lösungen im nötigen Tempo und mit den nötigen Lokalisierungen zu warten und gleichzeitig neue Lösungen, die den Kunden Mehrwert bringen, zu entwickeln, blieb auch in Frankfurt offen.
Auffallend war aber das Wohlwollen, mit dem das interessierte Publikum einem Vortrag über die Weiterentwicklung von Infor.COM (Infor 10 ERP Compact) folgte. Die Botschaft, dass nun auch die Entwicklungsabteilung in Karlsruhe verstärkt werde, kam ebenso gut an wie die Präsentation der ziemlich ehrgeizigen Roadmap. (Christoph Hugenschmidt)

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