Infor verschenkt ERP-Lösungen

23. Juni 2009 um 14:53
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Der ERP-Hersteller bietet Upgrades innerhalb der Infor-Produktepalette fast kostenlos an. Hauptziel der Übung dürfte sein, Baan-Kunden bei der Stange zu halten.

Der ERP-Hersteller bietet Upgrades innerhalb der Infor-Produktepalette fast kostenlos an. Hauptziel der Übung dürfte sein, Baan-Kunden bei der Stange zu halten.
Gleich Infor-CEO Jim Schaper himself stellte gestern an einer Telefonkonferenz ein neues, "Infor Flex Exchange" genanntes Angebot vor. Im wesentlichen geht es darum, dass Infor-Kunden, die Wartungsgebühren bezahlen, zu sehr tiefen Kosten auf eine neue Version dieser Lösung oder auf ein anderes Produkt aus dem Hause Infor umsteigen können. Nicht nur die reinen Lizenz-Kosten sollen tief sein, sondern auch die in einem IT-Projekt viel wichtigeren Kosten für die Implementation des Systems. Ausserdem sollen Anwender schrittweise migrieren können.
Infor besitzt einen riesigen Zoo aus zusammengekauften ERP-Anwendungen, so zum Beispiel Infor.com, Baan (Baan IV, Baan V, Infor ERP LN), Infor ERP AS (ehemals Brain), GEAC, Varial, die CRM-Lösung Epiphany und viele mehr. Der von Golden Gate Capital finanzierte, weltweit drittgrösste ERP-Konzern versprach in den letzten Jahren seinen Kunden, sämtliche der aufgekauften Lösungen weiterhin zu unterstützen und niemanden zur Migration auf eine anderes Infor-System zu zwingen.
Locken statt zwingen
Aber natürlich möchte der Konzern, dass Kunden ihre Systeme mit Infor-Technologie erneuern, anstatt gleich zur Konkurrenz (SAP et al) zu wechseln, wie dies in der Schweiz beispielsweise Huber+Suhner macht.
Zudem hat Infor in letzter Zeit immer mehr Komponenten entwickelt, so etwa das rollenbasierte, Web 2.0-artige Benützer-Interface "MyDay", das sich für unterschiedliche Systeme benützen lassen.
Mit "Infor Flex Exchange" sollen nun Anwender, die die normale Wartungsgebühr (17 Prozent der Lizenzkosten) bezahlen, zu minimalen Kosten auf eine neuere Version oder ein anderes Infor-Produkt migrieren können. Neue Lizenzkosten fallen keine an, es ist einzig eine gewisse "Transaction Fee" zu bezahlen, die allerdings wesentlich tiefer ausfällt, als beim Kauf eines vergleichbaren Systems. So zeigte Schaper an der Webkonferenz gestern eine Folie, auf der die "Transaktionsgebühr" für ein Infor ERP LN (die neueste Version von Baan) mit 100 Anwendern mit 15'000 Dollar beziffert wurde. Auch die Implementationskosten seien wesentlich geringer, so Infor-Manager Dennis Michalis, da Infor zwangsläufig sowohl das alte wie auch das Zielsystem sehr gut kenne. Ebenfalls "inbegriffen" sind neue Features, während Umsysteme (BI, CRM) mit sehr hohen Rabatten angeboten werden sollen. Zu guter Letzt sollen die Wartungsgebühren auch nach der Migration auf eine neue, eigentlich teurere Version, nicht angehoben werden.
Das Angebot gilt vorerst bis Mai 2010. Infor-Anwender, die ihre Wartungsverträge gekündet hatten, können einen neuen abschliessen und kommen damit sofort in den Genuss des Angebots.
Defensiv oder offensiv?
Mit "Infor Flex Exchange" sollen die Kunden in Zeiten des knappen Geldes einerseits von der Migration auf Konkurrenz-Systeme abgehalten werden und andererseits Wartungskunden zurückgeholt werden. Entscheidend dürfte sein, dass der ERP-Konzern nicht nur äusserst günstige Preise für neue Systeme anbietet, sondern auch die Beratungs- und Entwicklungskapazitäten aufbringt, um die von den Kunden gewünschten Dienstleistungen und die Upgrades tatsächlich liefern zu können. (Christoph Hugenschmidt)

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