Informatik hat ein schlechtes Image in der Schweiz

12. Juni 2008, 09:29
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Nur 3 Prozent der Schweizer Schülerinnen und Schüler planen ein Informatikstudium. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung und auch von Gymnasiasten und Lehrpersonen ist der Auffassung, dass es in der Informatik um die Anwendung von Programmen geht.

Nur 3 Prozent der Schweizer Schülerinnen und Schüler planen ein Informatikstudium. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung und auch von Gymnasiasten und Lehrpersonen ist der Auffassung, dass es in der Informatik um die Anwendung von Programmen geht.
Die Hasler-Stiftung hat eine umfassende repräsentative Studie über "das Image der Informatik in der Schweiz" durchführen lassen. Die im Rahmen des Förderprogramms FIT von Rütter + Partner erstellte Imagestudie kommt zum Schluss, dass das Bild der Informatik bei Lernenden und Lehrpersonen in Gymnasien sowie in der breiten Öffentlichkeit durch den Umgang mit PC, Handy, Internet und dergleichen geprägt ist und weitgehend lediglich mit Anwenderfähigkeiten gleichgesetzt wird. Diese Vorstellung sei genau so richtig, wie wenn man unter Physik die Fähigkeit, ein Auto zu steuern, verstehen würde, heisst es in der Studie.
Zudem hinke das Image des Informatikberufs demjenigen von anderen Berufen wie Ökonom, Medizinerin oder Jurist nach. Bei Schülern zeigt sich ein enttäuschendes Bild der Informatik: Nur 3 Prozent der Befragten planen ein Informatikstudium. Zum Vergleich: Für Sportwissenschaften interessieren sich in etwa gleich viele. Beide Berufsbilder sind also offenbar negativ behaftet.
Obligatorischer Unterricht ungenügend
Die oben erwähnte, verzerrte Wahrnehmung der Informatik habe auch damit zu tun, dass die Inhalte des Informatik-Unterrichts in der Schweiz nicht der Informatik im Sinne der Wissenschaft entsprechen, heisst es in der Studie. Vor allem der flächendeckende obligatorische Informatik-Unterricht vermittle überwiegend Anwendungswissen. Programmieren und Algorithmik etwa werden häufiger im Wahlfach Informatik gelehrt, das aber nur 14 Prozent der Schülerinnen und Schüler besuchen. Immerhin die Hälfte der Bevölkerung, der Schüler und Lehrpersonen erkennen die Informatik als Grundlagen- und als Ingenieurwissenschaft.
Gemäss der Studie ist das Interesse an Informatik vorhanden. Eine klare Mehrheit von 70 Prozent der Schüler interessiert sich dafür, etwas über IT zu lernen. Allerdings interessieren sich nach wie vor Mädchen deutlich weniger für Informatik als Knaben.
Grosse Bedeutung für die Wirtschaft
Eine grosse Mehrheit anerkennt zudem, dass die Informatik eine grosse Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft hat und Informatikkompetenz ein Wettbewerbsfaktor für alle Branchen ist. Die Bedeutung der Informatik wird für die Branchen Forschung und Entwicklung sowie Banken und Versicherungen am höchsten eingeschätzt.
Rütter + Partner hat von Januar bis Februar 1100 Schülerinnen und Schüler der Schulstufen 9./10. und 11./12., 800 Lehrpersonen und 1000 Leute aus der Bevölkerung (750 Deutschschweiz, 250 Romandie) befragt. Die Studie, die im Drei-Jahres-Rhythmus wiederholt werden soll, kann hier heruntergeladen werden. (Maurizio Minetti)

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