Informatik-Knatsch im Zigerschlitz

3. Dezember 2015 um 16:08
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Aktionäre von Glarus hoch3 stopfen riesige Finanzierungslücke.

Aktionäre von Glarus hoch3 stopfen riesige Finanzierungslücke.
Kurz bevor die Landsgemeinde Glarus über eine neue Informatikorganisation im Kanton zu entscheiden hat, hinterfragt ein Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) des Landrats ein Darlehen von 1,7 Millionen Franken an den IT-Dienstleister Glarus hoch3.
Insbesondere die in den Jahren 2012 und 2013 vorgenommenen Investitionen in einen Major-Release-Update der Gever-basierten Geschäftssoftware Axioma hätten dazu geführt, dass beim Gemeinde-IT-Dienstleister Glarus hoch3 "nicht abgesicherte Kosten" von insgesamt 1,7 Millionen Franken entstanden sind. Das sagte der Glarus-hoch3-Verwaltungsratspräsident Martin Leutenegger zu inside-it.ch.
Die Finanzierungslücke umfasst also gut ein Viertel der gesamten IT-Kosten von derzeit rund 6,8 Millionen Franken. Das Unternehmen gehört zu gleichen Teilen den drei Glarner Gemeinden und dem Kanton, die ihm im Sommer ein entsprechendes Darlehen gewährt hatten. Im GPK-Bericht des Landrats zum Regierungsbericht wird die Glarner-Regierung nun wegen dieser Kosten kritisiert. Sie habe dem Verwaltungsrat durchgehen lassen, dass er seine Aufgaben nicht korrekt ausgeführt habe. Zudem wird die Organisation von Glarus hoch3 gerügt, da es nach der Gemeindefusion 2011 von Christoph Marti in einer Doppelrolle geführt wird. Marti ist gleichzeitig Geschäftsführer von Glarus hoch3 und mit seiner Firma Axcelerate-Solutions Leistungserbringer für Glarus hoch3.
Bei der Gemeinde Glarus hält man aber gegenüber inside-it.ch fest, dass die GPK keinerlei Missstände aufgedeckt habe. Bereits Anfang Dezember 2014 habe der Verwaltungsrat den Aktionären (Kanton und Gemeinden) die Lage erklärt und sie Mitte Januar 2015 in einem Schreiben an die Aktionäre dargestellt. Man gesteht allerdings ein, dass die Organisationsform die "Achillesferse" der Glarus hoch3 sei. Man müsse aber zur Kenntnis nehmen, dass sie sich in den letzten vier Jahren durchaus bewährt habe, zumal damit die Gemeinde-IT in Glarus stark standardisiert und vereinheitlicht worden sei. Leutenegger, der betont erst im Sommer 2014 das Präsidium des Verwaltungsrats von Glarus hoch3 AG übernommen zu haben, gesteht aber ein, dass man im Verwaltungsrat vor seinem Amtsantritt möglicherweise die Finanzierung "zu wenig im Auge gehabt" habe. Beurteilen wolle er das aber nicht, fügt er an. Klar sei jedenfalls, dass Marti korrekt gehandelt habe und alle Projekte vom Verwaltungsrat freigegeben worden sind.
Spätestens seit Ende 2014, so Leutenegger weiter, habe man die Situation allerdings im Griff. Er sei berufen worden, um eine neue Strategie ab 2017 zu entwickeln. Die habe er mit dem voraussichtlich im Mai 2016 vors Volk kommenden neuen Informatik-Gesetz (InfG) vorgelegt. Damit würden früher vorhandene organisatorische Schwachstellen beseitigt. Bekanntlich schlägt das InfG die Gründung einer neuen öffentlich-rechtlichen Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit unter dem Namen "Informatikdienste Glarus" und mit eigenem Personal vor. Die Organisation soll ab 2017 mit eigenem Personal für den Kanton und die Gemeinden sowie die kantonalen und kommunalen öffentlich-rechtlichen Anstalten mit Ausnahme der Sozialversicherungen Glarus die ICT-Dienstleistungen erbringen.
Nachdem die Situation also seit fast einem Jahr geklärt sei, ziele die GPK-Kritik an Glarus hoch3 ins Leere, heisst es denn auch bei der Gemeinde Glarus. Und Leutenegger fragt sich, ob mit dem GPK-Bericht nicht vielmehr eine politische Agenda verfolgt werde. Ohne konkrete Personen oder Parteien zu nennen, gibt er zu bedenken, dass die GPK mit ihrer Kritik offensichtlich die mit dem InfG vorgeschlagene Neuorganisation angreifen wolle. Jedenfalls hätte es die GFK versäumt, für das Erstellen ihres Berichts zumindest ihn als Verwaltungsratspräsidenten von Glarus hoch3 zur Anhörung und Erklärung der Situation anzufragen. (vri)
(Foto: Gemeinde Glarus, Samuel Trümpy.)
Hinweis:
Wie wir von einem Leser erfahren haben, lancierten die Glarner Touristiker diese Woche eine neue, gemeinsame Webseite mit Infos über – nein, nicht Heidiland – den "Zigerschlitz" für TourstInnen. Der Kanton hat tatsächlich mehr zu bieten als japanische Kinderfilme. So zum Beispiel die Tektonikarena Sardona, die von der UNESCO als Welterbe klassifiziert worden ist. (hc)

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