Informatiker erteilen Schweizer Arbeitgebern gute Noten

4. Mai 2020, 13:12
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Die Exklusiv-Umfrage zeigt, dass viele Arbeitgeber vorbildlich handelten, als die Coronakrise ausbrach. Aber manche machten fast alles falsch.

249 Informatikangestellte antworteten auf unsere Umfrage, wie sie das Verhalten ihrer Arbeitgeber in der Coronakrise benoten. Die Nennung des Arbeitgebers war fakultativ, aus den Nennungen zeigt sich: Vom Spital bis zur Software-Schmiede, vom US-Tech-Konzern bis zur Kantonalbank, von der Immobilienverwaltung über den Hoster bis zur kantonalen Verwaltung gaben Informatiker Auskunft.
Bemerkenswerterweise unterscheiden sich die Noten zwischen IT-Anwendern und Anbietern nicht wesentlich. Auch namentlich genannte Banken oder Verwaltungen haben es offenbar geschafft, die ausserordentliche Lage in den Arbeitsalltag umzusetzen: Die meisten Arbeitgeber reagierten rasch und setzten Homeoffice mit allen technischen Möglichkeiten um.
74,3% der Umfrageteilnehmer sagen, ihr Arbeitgeber habe die Situation richtig erkannt und früh reagiert und benoten dies mit der Schulnote "5" oder gar "6". Am unteren Ende der Rangliste stehen 6,4% der Teilnehmer, welche ihren Firmen die schlechtesten Noten "1" beziehungsweise "2" erteilen.
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Rund zwei Drittel der Antwortenden geben ihren Arbeitgebern die Bestnote, was die rasche und vollständige Umsetzung von Homeoffice mit allen technischen Möglichkeiten betrifft. Weitere 22% erteilen die Note "5" ("gut"). 19 antwortende Informatiker (7,8%) benoten ihre Firma mit "schlecht", "schwach" oder "ungenügend".

Mehr Kritik gibt es für die "Soft Skills" der Arbeitgeber

Etwas heterogener wird das Bild, wenn man nach "soften" Faktoren fragt, Kinderbetreuung oder den Umgang mit Ängsten und Fragen der Mitarbeitenden.
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“Wie gross ist das Verständnis für Eltern mit Kindern (Möglichkeit für Kinderbetreuung oder Home-Schooling auf Arbeitszeit)?”, lautete die Frage. 46,2% erteilten die Note "6", 29,4% gaben eine "5". Aber immerhin 11% beurteilen ihren Arbeitgeber als ungenügend oder gar schlecht. Darunter finden sich auch Arbeitgeber, die bei Kununu oder "Great Place to Work" üblicherweise gut oder gar sehr gut abschneiden und in der Coronakrise offenbar andere Seiten zeigten.
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Und die technologielastigen IT-Abteilungen und Firmen kommen schlechter weg, wenn es darum geht, wie offen und einfühlsam die Firma bei Fragen und Ängsten ist. Je ein Drittel gaben zwar die Noten "sehr gut" oder "gut", aber fast 14% die schlechtesten Noten, ebensoviele halten ihren Arbeitgeber nur für "genügend" in dieser Frage.
Auffällig ist, dass die anonymen Teilnehmer, welche durchgehend Bestnoten erteilten, sehr häufig ihren Arbeitgeber nannten und ebenso diejenigen, die schlechte Bewertungen abgaben. Unter den namentlichen genannten Firmen mit den schlechtesten Noten – fast durchgehend "1" oder "2" – finden sich übrigens drei bestens bekannte IT-Firmen und ein Schweizer Konzern.

"Ehrliche Zeiterfassung"

Gut angekommen ist bei vielen, wenn klar und offen kommuniziert wird, und dies haben rund 80% der teilnehmenden Informatiker ihren Arbeitgebern auch attestiert.
Offene Kommunikation hiess bei einer Firma: "In der ersten Mitteilung des IT-Leiters über Homeoffice-Verhalten hiess es: nicht im Gammel-Look vor dem Bildschirm sitzen, ehrliche Zeiterfassung. Unfassbar, so etwas mitzuteilen." Ein teilnehmender Informatiker erhielt in dieser Zeit gar die Kündigung.
Als positiv wurde hingegen mehrfach angemerkt, wenn Teams virtuelle Kaffeepausen abhielten.
Noch ist die Krise nicht ausgestanden, aber eine Prognose ist jetzt schon möglich: Wer die Informatiker in diesen Zeiten gut behandelt und ernst nimmt, hat die besten Karten, sie als gesuchte Fachkräfte zu halten, wenn das Business und der Arbeitsmarkt wieder brummt.
Die Umfrage " ICT-Arbeitgeber in der Coronakrise" dauerte vom 27.4. bis zum 4.5. 2020 morgens. Es nahmen 249 Leser von inside-it.ch und inside-channels.ch teil. Die Online-Umfrage war anonym, es wurde auch keine IP-Adresse gespeichert.

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